Struktur

Insgesamt bin ich ein Mensch, der sich oft verzettelt. Liegt, glaube ich, in meinen Genen. Zumindest höre ich auch gelegentlich von meiner illustren Geschwisterschar, dass man sich gelegentlich verzettelt.
Umso überraschender ist das Urteil, welches man heute über mich fällte: Strukturiertheit sei eine meiner Eigenschaften. Wusste ich noch gar nichts von. Ist aber schön, dass ich diese Außenwirkung zu erzielen imstande bin. Hoffentlich kann ich diesen Schein noch weiter wahren, denn das könnte meiner weiteren Karriere durchaus förderlich sein.
Noch besser sogar wäre es, ich würde mir wahrhaftig ein wenig Struktur zulegen und ein Quäntchen System in meine Arbeit bringen. Dann fühlte ich mich eventuell auch rechtmäßig gebauchpinselt.

In die Nesseln

Heute habe ich Hollunderblüten gesammelt. Für Sirup.
Hierfür musste ich in der Pampa ein paar Hollundersträucher direkt aufsuchen. Die von mir zur Ernte auserkorenen Büsche jedoch standen leider an einem Feldrain, welcher dicht mit Brennnesseln (geilomat: drei N!) bestanden war. Und ich trug eine kurze Hose!
Schlimm?
Nein.
Angstlos schritt ich in die Nesseln. Warum ich dies tat? Verrate ich jetzt:
Ein paar Jahre ist es her, da hatte ich einmal den Auftrag einen Obstgarten durchzupflegen, welcher seit Jahren vor sich hin verwilderte. Mit meinem Passmann gemeinsam kam ich dort an, es war Frühsommer, und wir hatten ob der herrschenden Außentemperaturen kurze Hosen an. Unter den Bäumen jedoch war alles voller Brennnesseln. Vorsichtig bahnten wir uns den Weg durch die Pflanzen, immer behutsam die Schuhsohlen voraus die Halme abknickend, in der trügerischen Hoffnung, die Nesselzellen mögen die Haut verfehlen. Nach wenigen Metern allerdings war dann auch schon alles egal. So wie wenn man plötzlich in einen Starkregenguss gerät und binnen zehn Sekunden ist man bis auf die Knochen durchnässt. Alle Menschen, denen man dann begegnet und die auch bis auf die Haut nass sind, sind dann total locker, lächeln und blicken freundlich drein.
So ähnlich ist es auch, wenn man kurzbehost durch ein Brennnesselfeld latscht. Tut erstmal weh, dann, wenn alles egal ist, kribbelt es nur noch und nach einer Viertelstunde oder so fühlt sich das Bein dann ganz angenehm warm an. Gut für gute Laune.
Heute hat es nur ganz leicht wehgetan. Kein Kribbeln, keine Wärme. Dafür war ich zu kurz drin. Vor ein paar Wochen habe ich es einmal etwas intensiver versucht, aber über die Viertelstunde habe ich es auch nicht gezogen, auch hier stellte die Wärme sich nicht ein und es hat nicht gekribbelt, sondern leicht gejuckt, war also nicht ganz so nett.
Wenn es nicht jedes Mal auf’s Neue so viel Überwindung kosten würde, ich würde es eventuell häufiger mal machen. Soll ja auch gut sein gegen Rheuma. Vorbeugend. Angeblich. Einfach mal ausprobieren!

Die Brennnessel ist insgesamt eine stark unterschätzte Pflanze, für die ich an dieser Stelle einfach auch mal ganz allgemein eine Lanze brechen möchte: Sie ist eine wichtige Futterpflanze für viele Schmetterlingsraupen, entsprechend sollten Schmetterlingsfreunde auch der Brennnessel huldigen. Aus der Brennnessel kann man spitzenmäßig gesunden Tee kochen, man kann aus ihr auch einen Brennnesselsud zaubern mit dem sich Blattläuse vertreiben lassen oder den man ungeliebten Menschen als Napf unter die Bettstatt stellen kann (stinkt infernalisch), und als letzten Punkt möchte ich noch anfügen, dass die Brennnessel eine, wenn man mal genau hinsieht, ganz zauberhaft schöne Pflanze ist.
Fort mit den Vorurteilen!
Springt nackig in die Nesseln!

Form und Fauna

Die Fauna hierzulande hat Formen.
Vielfach geometrische Formen.
Insbesondere im Gegenlicht kann man unterschiedliche Tiere anhand der geometrischen Formen ihrer Gattung zuordnen.
Besonders einfach ist es bei der Schlange, sie hat die Form einer Linie. Der Wurm auch.
Ein Igel versucht es meistens mit der Form der Kugel, erreicht aber eher das Oval, das ist auch relativ weit verbreitetes Wissen.
Doch wer wusste, dass man Wildschweine an ihrer Rechteck- bzw. Rautenform erkennt? Sie wirken, wenn sie einem nachts in einer Rotte in den Weg vors Auto rennen, als könnten sie dem Spiel MineCraft entsprungen sein, wie eine Reihe Quader, die über die Straße holpern.
Und wenn man die Rechteckform des Wildschweins diagonal spaltet und einen buschigen Schwanz hinten dranhängt, dann hat man die Form des Waschbären. Der sieht nämlich groteskerweise wie ein lebendes Dreieck aus im Schattenriss.
Wenn mir weitere Formen auffallen, dann werde ich es Euch wissen lassen.

Teile

Letztens erwähnte ich meinen Plan des Grunderwerbs. Draußen im Brandenburgischen wollten wir uns ein gammeliges Gehöft kaufen mit dem Ziel der Erholung durch Aus- und Wiederaufbau. Hat sich nun leider zerschlagen, weil jemand mit größeren Ambitionen und größerem Geldbeutel schneller Nägel mit Köppen gemacht und mir-nichts-dir-nichts einen Vertrag mit dem Verkäufer geschlossen hat.
Schade.
Aber ist nicht das einzige gammelige Gehöft im Brandenburgischen.
Bei der Besichtigung des Hofes, den zu kaufen wir bereit waren, fiel mir auf, dass an unterschiedlichen Stellen des Anwesens verschiedentlich Dinge herumlagen, welche auf die Vorbesitzer schließen ließen, beziehungsweise auf die Nutzung des Hofes. Solche Sachen machen mir immer Freude, so alter Kram.
Entsprechend habe ich mich wieder aufgemacht, in herrenlose Gebäude zu klettern und zu schauen, wie es da so aussieht. Dabei habe ich einen Dreiseitenhof gefunden, bei dem bedauerlicherweise Hopfen und Malz verloren scheinen, er zerfällt zunehmend in seine Einzelteile. Die Vorbesitzer haben ihn allerdings verlassen, ohne all ihr Hab und Gut mitzunehmen, daher wirft der Hof beim Zerfallen alle verbliebenen Möbel um. Dabei hat er offenbar auch im Kinderzimmer den Spieleschrank umgekippt und die darin befindlichen Puzzle symbolträchtig verschüttet.
Geht man nun durch das Haus, so sind Mauer- und Deckenteile mit den Teilen der Puzzles vermischt, so dass der Eindruck entsteht, man könnte den Hof spielerisch wieder zusammenfügen.
Ich war versucht, jedoch war die Zeit knapp und ich wollte das Bild nicht zerstören.
Soll das mal weiterhin die Zeit übernehmen.
Die kann das gut.

Krude

Gerade habe ich mit meiner Schwester über blödsinnige Theorien gesprochen, die man so in seiner Kindheit entwickelt. Dabei kamen Erinnerungen hoch:
Seinerzeit habe ich meine Kleine Schwester einmal in Angst und Schrecken versetzt, indem ich ihr mit meinem universellen Halbwissen und meiner wirren kindlichen Gedankenwelt wissenschaftlich fundierte Zusammenhänge zwischen der Anziehungsraft von Himmelskörpern in Abhängigkeit zu deren Größe sowie der zu erwartenden Masseentwicklung der Erde hinsichtlich Verwesungsprozessen darlegte:
Vom Hörensagen wusste ich, dass Menschen, Tiere und Pflanzen, wenn verstorben, zu Erde werden. Genauso wie Kompost. Anhand des Komposthaufens im Garten meiner Eltern konnte ich das auch sehen: Kartoffelschalen, Kaffeefilter, Eierschalen, Rasenschnitt und allerlei anderes Zeug wurden da hingeschmissen und wie von Geisterhand konnte mein Vater dann irgendwann fertigen Kompostboden da hervorzaubern.
Weiter darüber nachdenkend stellte ich fest, dass ich in meiner Eigenschaft als junger Mensch wachsen und somit mehr Masse bis zu meinem Tode anhäufen würde. Und dies täte nicht nur ich, das täten alle Menschen, alle Tiere, alle Bäume und so weiter und so fort. Logischer Schluss aus dieser Tatsache ist ja ganz glasklar, dass die Erde somit wächst wenn ich und alle anderen zu Erde werden und das in einem Fort so weiter zu gehen pflegt. Mit dem Wachstum der Erde steigt dann aber auch deren Anziehungskraft.
Man hatte mit erklärt, dass die Anziehungskraft des Planeten Jupiter so dermaßen stark sei, dass ich, beträte ich diesen Planeten, umgehend flachgepresst werden würde durch mein eigenes Gewicht. Diese Gefahr sah ich nun also in der Zukunft auf jeden Organismus des Planeten Erde zukommen. Nun kam noch die schreckliche Vokabel „Überbevölkerung“ und „Bevölkerungszuwachs“ aus den Nachrichten dazu und mir schien, die Gefahr sei nun schon ziemlich nah. Diese Gedankenspiele teilte ich nun mit meiner kleinen Schwester, und die scheint den ganzen Quark bis heute in ihrem Kopfe bewahrt zu haben. Als diffuse Angst im Hintergrund.
Ich glaube, sie wird nicht jede Nacht von Albdrücken geplagt, welche sie wegen dieser Angst schweißgebadet und schreiend aufschrecken lassen.
Dennoch habe ich ein leicht schlechtes Gewissen.

Der Spatz in der Hand…

Weil ich mich so sorgfältig der morbiden Zurschaustellung grässlich verstorbener Lebewesen widme könnte hier der Eindruck entstehen, dass ich ein gar scheußlicher Zeitgenosse bin. Doch ist dem keineswegs so.
Vielmehr bin ich einem Lämmlein gleich ein sanftmütiger Gesell. Unlängst habe ich auch wieder einem Vögelein das Leben gerettet, welches sich in den mit großen Panoramafenstern ausgestatteten Schankraum einer Konsumwirtschaft verirrt hatte und dort panisch ein ums andere Mal gegen die Scheiben donnerte. Ich trieb es in die Enge und fing es ein, sodann verbrachte ich es in meinen Händen auf eine in der Nähe befindliche Weide außerhalb der Reichweite der ortsansässigen Katzen, öffnete meine Pranke und nahm frohlockend wahr, wie der kleine Spatz ohne Glas im Wege beherzt davon flog.
Ein paar Jahre bereits ist es her, dass ich einem etwas größeren Vogel, es handelte sich um eine junge Nebelkrähe, das Leben rettete. Dieser Vogel war wohl gerade fast flügge und hatte sich etwas überschätzt. Entsprechend saß er leicht verwirrt auf der Straße herum und wartete dort unsicher umherblickend auf den sicheren Tod durch Zermanschtwerden. Ich stoppte mein Gefährt und näherte mich dem Vogel. Mein Tun blieb nicht unbeobachtet, die Altkrähen schimpften und zeterten, auch wurde ich von ihnen angeflogen. Leib und Leben aufs Spiel setzend packte ich den Jungvogel und trug ihn, während ich ihn als lebenden Schutzschild über meinen Kopf hob um mich der Schnabelhiebe der Altvögel zu erwehren, von der Straße und setzte ihn in der Nähe auf ein Gartenhausdach, dann entfloh ich der flatternden Gefahr.
Wie gesagt, Sanftmütigkeit ist es meist, was mein morbide Anblicke liebendes Wesen seltsamerweise ausmacht.
Mit der Fotografie eines überflüssigerweise überfahrenen Tieres gebe ich seinem Tode noch ein wenig Sinn, wenn es schon nicht gegessen wird. Und mitunter hat der garstige Tod auf der Straße wenigstens noch einen ästhetischen Wert.
Manchmal.

Am Boden zerstört

Seit dieser Begebenheit sind schon ein paar Jahre ins Land gegangen, doch fühl ich mich im Moment doch dazu bemüßigt, davon zu berichten:
Es war einmal ein Garten. Dieser befand sich in Berlin Zehlendorf, unweit der Rehwiese nahe dem Bahnhof Nikolassee. Dieser Garten war meiner und meiner Mitstreiter Obhut anvertraut, wir hübschten ihn an etlichen Stellen auf, räumten Wildwuchs ab, schnitten den Rasen, stutzten die Sträucher und taten im Allgemeinen das, was man als Gärtner in einem Garten so macht.
Grünabfälle, sofern nicht zu klobig, wurden auf einem eigens hierfür errichteten Komposthaufen der Wiederverwertung zugeführt. Dieser Komposthaufen befand sich inmitten eines kleinen Eibengebüschs, auf diese Weise den Blicken der Gartenbesitzer verborgen. Alljährlich zwei Mal wurde der Komposthaufen umgesetzt und gesiebt, im Frühjahr und im Herbst.
Als wir uns eines Tages im Frühjahr einmal wieder an dem Komposthaufen zu schaffen machten entsprang der Leibhaftige lärmend dem Eibengesträuch und griff mich frontal an, wild fuchtelnd mit schwarzem Leib und gelben Augen! Der Spuk war schnell wieder vorbei, nur um sodann kurz darauf von Neuem zu beginnen! Erschrocken floh ich vom Kompost fort auf die rettende Rasenfläche.
Als der erste Schreck sich gelegt hatte und mein Pulsschlag sich beruhigte wurde mir klar, was da für ein Derwisch mir an die Brust geschlagen hatte: Ein Amselmann hatte beherzt sein Nest verteidigt und mich erfolgreich in die Flucht geschlagen. Mit voller Wucht war er gegen meine Brust geflogen, wild mit den Flügeln schlagend und so eine größere Gestalt vorgaukelnd als er eigentlich besaß. Ich hatte Glück, dass sein Schnabel sich nicht in mein Brustbein gerammt hatte, so kräftig griff mich das irrsinnige Vieh an!
An dieser Stelle war die Verteidigung des Nistplatzes von Erfolg gekrönt, ich näherte mich dem Kompost in der nächsten Zeit zwar trotzdem, doch mit größter Vorsicht, um die Amselbrut nicht zu stören. Des Amselmannes Beherztheit war beeindruckend.
Manchmal jedoch ist diese Beherztheit eher kontraproduktiv, so zum Beispiel, wenn ein Amselmann in Rage ein Auto anzugreifen sucht. Diesem kleinen Amselmann hier ist entweder dies, oder aber ein Tiefflugmanöver ohne den rettenden Rechts-Links-Blick zum Verhängnis geworden.
Hoffentlich kann die dazugehörige Amselfrau ihre Nachkommen auch als Alleinerziehende durchbringen, auf dass auch in Zukunft mittelgroße schwarze Vögel für den einen oder anderen Adrenalinstoß zur Verfügung stehen.
Ruhe sanft, kleiner Amselmann.

Contrazession

Jetzt, kurz bevor die Spinner in Scharen das Land in Angst und Schrecken versetzen, ganze Landstriche kahlfressen und Gespinstnester allerorten verteilen, auf dass sich allergische und asthmatische Krankheiten wie Lauffeuer verbreiten und die Angst vor dem Wald in der Bevölkerung wieder ungeahnte Ausmaße annimmt, blühen die Eichen lieblich vor sich hin und sehen aus, als wenn kein Wässerchen ihr Leben zu trüben imstande wäre. Das ist schön.
Nicht so schön ist der Inhalt der Jako-O Wald-Abenteuer-Lern-Software für Kinder ab 7. Was ein Kind nämlich daraus lernt ist, dass man Wälder eigentlich niederbrennen sollte weil da so schlimme Organismen drin sind.
Kinder lieben kleine Lernfilmchen. Die gibt es auch auf dieser Lern-CD. Und in diesen Filmchen lernt man vom schrecklichen Fuchsbandwurm, welcher die Eingeweide zerfrisst, wenn man nicht alles aus dem Wald zu einem formlosen Brei zerkocht, dass man unweigerlich von Zecken befallen wird, welche einen mit den grässlichen Krankheiten Borelliose und FSME ausstatten werden, und dass die Tollwut einen tödlich dahinrafft, sobald man im Wald auch nur daran denkt, dass es dort Tiere gibt.
Zecken habe ich auch schon massenhaft auf Wiesen und Feldern gesehen. Schnell entdeckt und beherzt entfernt richten sie auch keinen Schaden an. Sie sind lästig und doof, aber das sind Mücken auch und man fährt trotzdem an den See.
Tollwut ist insgesamt sehr selten geworden, Tollwutgebiete im Wald werden oft mit Warnschildern markiert, ansonsten gibt es tollwütige Tiere im Wald nicht häufiger als in der Stadt. Zu zutrauliche Tiere sollte man nicht unbedingt küssen oder ablecken. Macht aber auch eigentlich keiner. Sollte einem ein Kind dennoch erzählen, es habe gerade einen Waschbären gestreichelt, so wasche man seine Hände. Sodann suche man einen Arzt auf, um auf Nummer sicher zu gehen. Es ist aber insgesamt ausgesprochen unwahrscheinlich, dass den lieben lärmenden Kleinen üb erhaupt jemals ein Wildtier im Wald begegnet.
Dem Fuchsbandwurm sollte man insgesamt mit deutlich mehr Gelassenheit begegnen, wie ich finde. Mein alter Herr hat mir auch schon einmal mit deutlicher Nachhaltigkeit den Genuss von Blau-, Brom-, Him- und Walderdbeeren vergällt indem er mich auf den fiesen Fuchsbandwurm aufmerksam machte. Im Radio hat mir dann später aber einmal Christoph Drösser erzählt, dass das alles Quatsch ist und man getrost den Wald ablecken kann wenn einem danach ist, ohne dass einem dabei etwas passiert. Natürlich nicht wörtlich und nicht mir persönlich, aber ich habe mir das zu Herzen genommen und esse wieder Blaubeeren und Walderdbeeren und mein Leben ist wieder viel reicher geworden.
Und wenn man einmal daran denkt, wo der Fuchs überall herumschneftert, in der Stadt, auf dem Feld, auf Schulhöfen und vor allem sicherlich auch auf jedem Erdbeeerfeld: Werden deswegen sämtliche Erdbeeren dieser Welt bis zur Unkenntlichkeit zerkocht vor dem Verzehr?! Mitnichten!
Den Wald zu betreten ist Gebot für Kinder! Man darf ihnen nicht Angst einjagen vor dem Wald! Sie sollen nicht an allen Pflanzen knabbern weil davon einige giftig sein können, aber rennen Kinder wild äsend durch den Wald?
Nein.
Sie sollen nicht einfach alle Pilze fressen, derer sie gewahr werden, aber tun Kinder das?
Nein.
Sie sollen nicht jedes Tier streicheln und auf den Arm nehmen, aber lassen Tiere das mit sich machen?
Nein.
Eine gewisse Vorsicht gegenüber kuscheligen Prozessionspinnergespinstnestern gegenüber ist sicherlich richtig und wichtig, aber dort, wo der Spinner sein Unwesen treibt stehen gemeinhin Warnhinweise die man mit seinen Kindern besprechen kann. Genau wie bei der Tollwut.
Entsprechend mein Appell an alle: Geht mit Euren Kindern in den Wald und schickt sie los, denselben selbst zu erkunden. Wenn sie anschließend Kratzer an Armen und Beinen haben, Äste, Moos,Laub und Spinnweben im zerzausten Haar hängen und mannigfaltigster Dreck sich unter den Nägeln und an der Kleidung finden, wo auch Kletten und allerlei sonstige Pflanzenteile hängen, dann ist das ein Grund sie zu loben und nicht sie zu tadeln.
Merkt Euch das!

Silber-, äh.. Goldblick

„Bei mir im Gartenteiche
da schwamm ’ne Wasserleiche.
Der Arsch war bemoost,
Prost!“

So überlieferte mein alter Herr mir Weisheiten aus der guten alten Zeit. Oder so ähnlich. Urheber unbekannt, zumindest mir.

Unlängst trieb ich mich in der polnischen Provinz in einem stattlichen Funkloch herum. Dort gab es auch einen Gartenteich. Und auch in diesem befand sich ein ähnlicher Fund, allein das letzte E der Leiche fehlte und das erste E muss mit einem A vertauscht werden. Laichbedingt fand ich einige Bereiche des Teiches komplett gallertartig vor, allerorten hopsten verschiedenste Frösche umher. Der Frühling ist da!
Und ein Haufen paarungswütiger Kröten treibt sich derzeit in der Gegend herum. Also Obacht im Verkehr, vermeidet das zermalmen der warzigen Gesellen mittels Umsicht im Straßenverkehr. Und nicht zuletzt beim Nordic Walking, es sei denn es wird angegrillt und man wünscht den Verzehr frischen Krötenschaschliks (grausiges Pfund).

Monarchen

Ich war heute umtriebig. Aus. Dortselbst überkam mich ein menschliches Bedürfnis, es rief sozusagen die Natur. Und so begab ich mich dorthin, wohin auch der Kaiser zu Fuß hinzugehen pflegt. Und wie bei all den Malen zuvor traf ich auch heute dort keinen Kaiser an.

Insgesamt habe ich den Verdacht, dass es ein drastisches Missverhältnis gibt zwischen der Anzahl an real existierenden Kaisern und der Menge der für sie errichteten zu Fuß aufzusuchenden Örtlichkeiten.

Aber warum ist das so? Altes Konjunkturpaket?

Vielleicht.