Streber

Es ist schon erstaunlich, was manche Leute auf ihrem Grabstein zu stehen haben. Was soll dieser hier mir sagen?

„Kieke, ick war zeitlebens stinkefaul und habe infolgedessen nüscht erreicht“?

oder eher

„Kieke, ick hab immer nur für Dich den Buckel krumm gemacht, deshalb sank ich mittellos in dieses schmucklose Grab, Du Arsch!“?

Vermutlich soll hier auf die totale Selbstlosigkeit hingewiesen werden, die der oder die Verstorbene zur Lebensmaxime sich gemacht hat. Und das kann ja möglicherweise auch erfüllend sein. Klingt aber irgendwie nicht so.

Noch fragwürdiger ist allerdings dieser Grabstein:

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Als ich diesen Grabstein sah, übrigens gerade einmal zwei Grabstellen weiter als der im Titel befindliche, da waren meine Gedanken in etwa diese: „Heureka, im Gegensatz zu dir habe ich in meinem Leben auch schon so etwas wie Freude erlebt!“

Gefunden habe ich die beiden Steine in Schlesien auf dem Kirchhof einer bedeutenden protestantischen Holzkirche. Ich hoffe, die Ansiedlung der polnischen Bevölkerung dort hat ein wenig Lebensfreude in diesen Landstrich gebracht, auch wünsche ich mir, dass die vertriebenen Schlesier und Schlesierinnen in ihrer neuen Heimat gelernt haben, auch mal für sich zu arbeiten und die Früchte ihrer Arbeit in die Bereicherung ihres Lebens zu stecken imstande waren.

Alles andere wäre auch zu traurig.

Tiefschürfend

Eine gute Idee, den Verstorbenen beim Einfahren in den Schacht der Ewigkeit den traditionellen  Bergmannsgruß hinterherzurufen.

Auf dass sie Erzgänge und Kohleflöze finden werden…

Glück Auf!

Kulturbeitrag

Wenn man, wie ich, seinen Urlaub gerne räumlich flexibel gestaltet, hierbei allerdings die kostspielige Nacht im Hotel scheut und lieber rustikal nächtigt, dann verschlägt es einen immer wieder mal auf einen Campingplatz. Gelegentlich findet man dann auch einen schönen solchen, den man gerne auch wiederholt aufsucht. Am vergangenen Wochenende habe ich einen Campingplatz zum wiederholten Male aufgesucht und habe ihn auch erneut für gut befunden. Mit den üblichen Abstrichen.
Campingplätze sind Orte, an denen unterschiedlichste Menschen aufeinandertreffen, dennoch sind Campingplatzbetreiber oft bemüht, mittels Kulturprogramm die Menschen zusätzlich an sich zu binden. Ein Bemühen, das häufig zum Scheitern verdammt ist, denn das angebotene Kulturprogramm ist gewöhnlich nicht imstande, die unterschiedlichen Bedürfnisse der unterschiedlichen Menschen zu befriedigen. Im Falle meines Besuchs auf dem Campingplatz spielte eine kleine Band auf, welche als Metallica-, Cream- und Nochirgendwas-Coverband angekündigt war. Ich zog es vor, der Darbietung nicht beizuwohnen sondern im Kreise der Mitreisenden Blödsinn redend und biertrinkend Karten- und Würfelspiele zu spielen.
Morgens hatte ich bereits eine geräuschvolle Darbietung genießen dürfen, die jeder Camper kennen dürfte: Sobald der Morgenkaffe im Leib die Peristaltik adäquat angeregt hat, strebt man dem bereits von unheilvollen Schwaden umwaberten Sanitätshaus zu. Öffnet man dann dort die Tür, so wird man empfangen von einem ohrenbetäubenden Darmwindkonzert.
Am besagten Morgen hatte ich schon das zweifelhafte Vergnügen, den einen oder anderen Musikanten Cream und Slime spielen zu hören. Entsprechend unnötig erschien mir der Besuch des Gastspiels der Cream-Coverband.

Technikgott

Unverständnis befällt mich angesichts der vollkommen unsinnigen Verhaltensweisen diverser Konzertbesucher:
Sie zahlen teilweise horrende Eintrittspreise, nur um anschließend nicht der musikalischen Darbietung zu lauschen oder das Live-Geschehen zu genießen, sondern sie ziehen es vor, sich alles als verwackelte Angelegenheit auf ihrem Mobilfunkdisplay anzusehen. Zu allem Überfluss halten sie auch noch ihre Telefone hoch, so dass jeder, der hinter ihnen steht, auch gezwungen ist, sich das schöne Konzert als mieserable Abbildung auf dem Telefon eines vollkommen unbegabten Kameramenschen anzuschauen. Mögen ihnen allen die Daumen abfaulen!
Meine erklärte Hochachtung gilt jedem, der „aus Versehen“ den entsprechenden Leuten beim Tanzen das Gerät aus der Hand schlägt und anschließend mit seinen metallbesohlten Schuhen „aus Versehen“ draufstampft. Aber das ist ja bedauerlicherweise verboten.
Gewöhne Dir dieses ignorante und egoistische Verhalten bitte schleunigst wieder ab, Welt! Ist doch auch zu blöd, das Ganze. Denn wer will sich denn schon gerne beschissene Filme mit überbelichteten, verwackelten Bühnen und räudigster Tonqualität ansehen?!
Richtig: Niemand!
Und vermutlich auch all die Trottel nicht, die die Scheiße drehen.
Aber auf Youtube hochladen und das mit Mist gewiss nicht eben arme Internet nachhaltig weiter vollmüllen, das geht gerade noch!
Arme Welt.
Hilfe…

Krude

Gerade habe ich mit meiner Schwester über blödsinnige Theorien gesprochen, die man so in seiner Kindheit entwickelt. Dabei kamen Erinnerungen hoch:
Seinerzeit habe ich meine Kleine Schwester einmal in Angst und Schrecken versetzt, indem ich ihr mit meinem universellen Halbwissen und meiner wirren kindlichen Gedankenwelt wissenschaftlich fundierte Zusammenhänge zwischen der Anziehungsraft von Himmelskörpern in Abhängigkeit zu deren Größe sowie der zu erwartenden Masseentwicklung der Erde hinsichtlich Verwesungsprozessen darlegte:
Vom Hörensagen wusste ich, dass Menschen, Tiere und Pflanzen, wenn verstorben, zu Erde werden. Genauso wie Kompost. Anhand des Komposthaufens im Garten meiner Eltern konnte ich das auch sehen: Kartoffelschalen, Kaffeefilter, Eierschalen, Rasenschnitt und allerlei anderes Zeug wurden da hingeschmissen und wie von Geisterhand konnte mein Vater dann irgendwann fertigen Kompostboden da hervorzaubern.
Weiter darüber nachdenkend stellte ich fest, dass ich in meiner Eigenschaft als junger Mensch wachsen und somit mehr Masse bis zu meinem Tode anhäufen würde. Und dies täte nicht nur ich, das täten alle Menschen, alle Tiere, alle Bäume und so weiter und so fort. Logischer Schluss aus dieser Tatsache ist ja ganz glasklar, dass die Erde somit wächst wenn ich und alle anderen zu Erde werden und das in einem Fort so weiter zu gehen pflegt. Mit dem Wachstum der Erde steigt dann aber auch deren Anziehungskraft.
Man hatte mit erklärt, dass die Anziehungskraft des Planeten Jupiter so dermaßen stark sei, dass ich, beträte ich diesen Planeten, umgehend flachgepresst werden würde durch mein eigenes Gewicht. Diese Gefahr sah ich nun also in der Zukunft auf jeden Organismus des Planeten Erde zukommen. Nun kam noch die schreckliche Vokabel „Überbevölkerung“ und „Bevölkerungszuwachs“ aus den Nachrichten dazu und mir schien, die Gefahr sei nun schon ziemlich nah. Diese Gedankenspiele teilte ich nun mit meiner kleinen Schwester, und die scheint den ganzen Quark bis heute in ihrem Kopfe bewahrt zu haben. Als diffuse Angst im Hintergrund.
Ich glaube, sie wird nicht jede Nacht von Albdrücken geplagt, welche sie wegen dieser Angst schweißgebadet und schreiend aufschrecken lassen.
Dennoch habe ich ein leicht schlechtes Gewissen.

Feldwirtschaft

Verwundert stolpere ich gelegentlich über verwirrende Worte. So fiel mir unlängst das Wort „Gottesacker“ auf. Warum Gottesacker? Wie soll ich mir denn da die Ernte vorstellen? Und ist das Bewirtschaften eines Gottesackers denn nicht Blasphemie, dieweil es ja nur den einen Gott gibt, bzw. geben darf? Wieso sollte den denn dann einer vermehren wollen und sollen? Und wie sieht denn da das Saatgut aus?

Letztere Frage lässt sich relativ leicht beantworten, wenn man sich die den Gottesacker beackernden Bauern und deren Tätigkeit genauer ansieht. Ihr Saatgut wird meist in großen Holzkisten geliefert und ist oftmals tatsächlich ziemlich keimig. Manchmal jedoch wird das Saatgut auch in kleineren Gefäßen gebracht, dann allerdings ist es meistens bis zur totalen Keimfreiheit erhitzt worden. Dennoch wird es ausgebracht.

Über jedes einzelne Stück Saatgut, welches ca. sechs Fuß tief vergraben wird (meines Erachtens viel zu tief um Erträge erwarten zu können), wird unvernünftigerweise meistens ein Stein gestellt. Damit wird es noch schwieriger für das erwartete Nutzgewächs.

Es gibt offenbar keine optimale Jahreszeit zur Aussaat, das Saatgut wird zu jeder Jahreszeit, gar bei tiefem Frost unter großen Mühen und großer Anteilnahme ausgebracht. Wirre Rituale in eigens dafür errichteten Gebäuden gehen der eigentlichen Aussaat voraus. Auch geschieht das Ausbringen nicht systematisch. Vielmehr wirkt die Standortwahl für die nächste Pflanzbemühung fast willkürlich, ja das Saatgut selbst und genetisch verwandtes Material legen den Standort fest. Oft geschieht es auch, dass das genetisch annähernd gleiche Material entgegen jeder gärtnerischen Vernunft an ein und demselben Platz in die Erde gebracht wird, auch wenn, wie bislang immer, der Ertrag zur Gänze ausblieb.

Erntemaschinen gibt es nicht. Für die Aussaat wird teilweise schweres Gerät zum Einsatz gebracht, die Ernte aber scheint auf dem herkömmlichen Gottesacker nicht erwartet zu werden. Vermutlich weil bis heute niemand weiß, wie ein reifer Gott aussieht und wie er zu ernten wäre. Ist es ein Götzenbild? Und wenn ja, in welcher Größe und aus welchem Material? Ist es ein lebend Wesen? Dann könnte und dürfte man ja nicht mit brachialer mechanischer Gewalt  zu Werke gehen. Die Ernte könnte beschädigt werden.

Doch sollte es dereinst tatsächlich einem Ertragsbauern im Götteranbau gelingen, einen erntereifen Gott anzubauen, was dann? Wo sind die Abnehmer? Wer sind die Abnehmer? Atheisten? Und wenn die dann die neuen Götter ankaufen, sind sie dann weiterhin Atheisten? Und was tun die mit der Ware? Verarbeiten? Und wie?

Fragen über Fragen über Fragen Über Fragen.

Der Mensch ist schon ein komisch Wesen.