Gnatz, Episode 6 oder Was lange währt…

Zeichen und Wunder! Es gibt sie! Ich habe es doch tatsächlich geschafft!

Jawohl, ich habe einen neuen Personalausweis beantragt! Und das sogar hier bei mir umme Ecke! Ohne vorherigen Termin.

Meinen Bürgeramtstermin im April hatte ich ja wegen der totalen Blödheit versaut. Siehe dort:

https://thynnephph.wordpress.com/2016/04/28/gnatz-5-oder-ein-langer-steiniger-weg/

Für irgendwann im Juni habe ich am Folgetag sogleich telefonisch einen neuen Termin mir geben lassen über die tolle Servicenummer. Sämtliche Eckdaten von Relevanz habe ich auch brav aufgeschrieben: Wann, wo, Vorgangsnummer usw. usf. Auf einen Zettel. Weil ich aber bedauerlicherweise vollkommen unorganisiert bin habe ich das Ganze natürlich nicht später noch irgendwohin übertragen, wo es  wiederfindbar gewesen wäre, sondern habe freilich den wichtigen Zettel irgendwohin vermüllt und nie mehr wieder gefunden. Finde ich vermutlich morgen. An irgendeiner total sinnvollen Stelle, da, wo man als odentlicher Mensch seine wichtigen Zettel hintut. Sowas mache ich nämlich manchmal, aber dann sind diese Zettel unweigerlich verloren, denn ich rechne nie damit, dass ich mich kurz mal organisiert gehabt haben könnte.

Mein Plan mit dem blöden Bart (Vgl.:https://thynnephph.wordpress.com/2015/07/21/gnatz-part-4/   ) hat jetzt aber nicht geklappt. Ich hatte zwar für den Termin im April schöne Bilder mit behämmertem Bart gemacht, leider habe ich heute die Bilder nicht gefunden, musste aber los, damit ich auch um 8:00 Uhr pünktlich beim Amt wäre und so habe ich mich nun auf meinem neuen Personaldokument optisch einer drastischen Verjüngungskur unterzogen, indem ich ein älteres Bild mitgenommen habe. Wurde auch akzeptiert, das Bild. Auf dem Foto habe ich jetzt noch ein wenig Haar auf dem Kopf und zudem vor Pigmenten nur so strotzendes Bart- und Haupthaar. Keine Spur von weiß. Hihi.

Dass ich ganz dringend ein neues Dokument brauchte hat eine Reihe von Gründen. Zwischenzeitlich hatte ich ja schon beinahe aufgegeben und gedacht, es sein womöglich auch ganz befreiend ohne Ausweis. Doch ach… kurz darauf begab es sich, dass meine Anwohnerparkvignette abgelaufen war und ich nicht mehr ohne Weiteres in meinem parkraumbewirtschafteten Kiez mein Auto abzustellen befugt gewesen bin. Doch für die Beantragung einer neuen Vignette muss man unter anderem folgendes vorlegen: Ein gültiges Ausweisdokument. Verdammt! Obendrein will ich bald in Urlaub fahren und derzeit werden ja im Schengen-Raum überall die Grenzen wieder verrammelt, da gäbe es möglicherweise Scherereien wenn man Balkonien verlassen möchte.

Ick also heute früh zu Amt gelatscht, einen Sack Zeit im Gepäck und ein dickes Buch und -Schwupps!- schon vor der Tür in die Schlange gestellt. Habe ich erstmal eine Stunde auf eine Wartenummer gewartet. Sodann bekam ich aber eine mit Termin in zehn Minuten verbundene Wartenummer, und das war schön, denn damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Die zehn Minuten wurden dann aber doch zwanzig, und dann hatte ich ratzfatz einen Personalausweis beantragt und bezahlt und noch dazu einen vorläufigen Personalausweis geschmiedet bekommen. Schön. Danach habe ich mir noch einmal eine Wartemarke organisiert, weil es ja so schön war, und habe mich im Anschluss daran erneut in den Wartebereich begeben, diesmal für die Vignette. Und jetzt ist alles schön und ich muss erst in zwei Jahren wieder hin zum Amt.

Hoffentlich.

Wenn’s gut läuft.

Auf jeden Fall habe ich aber eines gelernt: Scheiß auf die blöde Terminhotline, vermeide tunlichst die Terminsuche im Internet und unterstehe Dich, Dir einen Termin bei irgendeinem verfluchten Arschloch bei ebay zu kaufen sondern massiere Dir die Füße, stelle Dich in die Warteschlange vor der Wartenummernvergabe und Du wirst doch relativ schnell bedient werden. Dauert auf jeden Fall nicht länger als früher, nur dass man jetzt beim Warten zunächst in der Schlange stehen muss um eine Nummer zu bekommen, welche einen in die nächste Ebene aufsteigen lässt, in welcher man sitzend dem Nummernaufruf harren kann. Berlin lässt sich immer mal was Neues einfallen, um die Leute bei Laune zu halten.

Und es gibt jetzt eine lustige Wartendenhierarchie. Man sollte den Sitzenden-Warteraum möglicherweise verglast neben die Warteschlange bauen. Etwas erhöht, um die hierarchischen Unterschiede zu unterstreichen. Und wenn man fertig ist mit seinem Termin, dann darf man in einen Brokatmantel gewandet über eine Ballustrade über beide Wartendengruppen hinwegschreiten und dann dem verglasten Warteraum gegenüber eine weitläufige Freitreppe hinabschreiten. Das Geld für derlei Bauwerke wäre in jedem Falle sinnvoll angelegt. Und Berlin ist ja nicht mehr arm, aber sexy sondern nur noch sexy.

Obwohl… blöd, aber sexy wäre passend.

Nur ohne sexy.

Nagerwohlstand

Heute habe ich, nach langer Zeit einmal wieder, den Spruch „Arm wie eine Kirchenmaus“ vernommen. Sogleich manifestierte sich in meinem Kopf die Frage, warum eigentlich Kirchenmäuse ärmer sein sollten als beispielsweise Bauernmäuse? Wäre nicht eher umgekehrt ein Schuh draus zu machen? Wo doch der Klerus stets reich war und das Bauernvolk zugunsten der Kirche und des Adels  meistens Armut litt?

Haben die Kirchenmäuse vom Kirchenzehnt nüscht abbekommen? Das halte ich für unwahrscheinlich.

Oder bedeutet „Ich bin arm wie eine Kirchenmaus.“ soviel wie „Leck mich, es geht Dich überhaupt nix an wie reich ich bin!“?

Ist demzufolge die Familie Schlecker möglicherweise arm wie eine Kirchenmaus? Oder die ganzen Briefkastenleute? Und solches Geschmeiß?

Vermutlich sollte man die, die behaupten, sie seien arm wie eine Kirchenmaus einmal umgehend einer intensiven Finanzprüfung unterziehen. Möglicherweise sollte Wolle Schäuble einfach einmal an alle Haushalte einen Fragebogen senden, in dem die Befragten ankreuzen können, ob sie unermesslich reich, stinkreich, wohlhabend, naja-geht so, eher arm, arm wie eine Kirchenmaus oder bitter arm sind.

Auf seine eigene Antwort wäre ich auch mal gespannt.

Gnatz, Part 4

Mein Ärger verraucht irgendwie nicht. Noch immer bin ich gnatzig, denke ich an die Gepflogenheiten der Berliner Bürgerämter, den Umgang mit den Bürgern betreffend. Doch ich habe eine Antwort am Start!
Eine Antwort ohne eine Frage, so werde ich sicherlich von Unwissenden nun stumm gefragt? Richtig, eine Frage gibt es in dem Sinne nicht, eher einen Sachverhalt, welcher nun zivilen Halbgehorsam von mir fordert, in Bälde. Den entsprechenden Sachverhalt habe ich bereits wortreich an dieser Stelle ausgebreitet, und zwar da:
https://thynnephph.wordpress.com/2015/05/07/gnatz/
sowie dort:
https://thynnephph.wordpress.com/2015/05/19/gnatz-the-sequel/
und zuletzt hier:
https://thynnephph.wordpress.com/2015/07/09/gnatz-teil-3/
Aber der Sachverhalt lässt mir einfach keine Ruhe, wurde gar heute wieder zum Gesprächsthema in netter Runde am heimischen Küchentisch mit Freunden.

Aber kommen wir mal so ganz, ganz langsam in Richtung des Kerns der heutigen Blubberei, will sagen: Auf den nächsten Zeilen, so Ihr denn überhaupt bis hierhin vorzudringen die Geduld besaßet, werdet Ihr finden meine feine kleine Idee, mit welcher ich die die Obrigkeit zu geißeln mir vorgenommen habe, wohl wissend, dass mir der hanebüchene Unsinn, den mein krankes Hirn ausbrütete, vermutlich selbst auf die Füße fallen wird.
Nämlich ist es im nächsten Frühjahr soweit, dass mein Personaldokument seine Gültigkeit verlieren wird. Deswegen werde ich mich in den nächsten Monaten verstärkt der verzweifelten Suche nach einem Bürgeramtstermin widmen müssen. Im Internet stand zu lesen, dass folgerichtigerweise bereits Strolche und Arschgeigen auf dem Schwarzmarkt Bürgeramtstermine gegen Geld oder Gefälligkeiten feilbieten. Vielleicht sollte ich Lotto spielen, um dann für horrende Summen einen Termin meiner Wahl im Bürgeramt meiner Wahl…? Vermutlich sind gefälschte Papiere bereits billiger zu haben.
Aber egal.
So Gott will werde ich im nächsten Frühjahr einen Termin beim Bürgeramt haben, diesen werde ich dann natürlich auch wahrnehmen, und weil ich ja jetzt weiß wie der Hase so läuft werde ich auch allein mit der Beantragung neuer Ausweispapiere aufschlagen und mit sonst nix. Doch werde ich die Wintermonate nutzen, mir einen langen buschigen Bart als Winterfell (ja, genau, so wie in „Game Of Thrones“) wachsen lassen und diesen am Vorabend des Termins zu einer blödsinnigen Bartfrisur umwandeln. Mit dieser blödsinnigen Bartfrisur werde ich dann beim Bürgeramt aufkreuzen und der blödsinnige Bart wird sodann für die nächsten zehn Jahre mein Konterfei sein am Amt und in meinem Papier.
Die Frage ist jedoch, welch blödsinniger Bart es werden soll? Einen wild wuchernden Talibanbart habe ich bereits auf meiner Krankenkassenkarte, auch vermute ich damit eventuell Scherereien beim Grenzübertritt beispielsweise in die USA, insbesondere dann, wenn der Bart ab ist. Ein Zwirbelbart ist aufgrund der störrischen Bartbeschaffenheit schwierig. Ich spielte bereits mit dem Gedanken, mir einen langen Backenbart wachsen zu lassen, den ich über meine Glatze kämmen könnte, doch dauert dies zu lange. Auch ist die von meinem alten Musikerkollegen Daschke erdachte Endloskotelette wegen des auf dem vorderen Haupt ausgegangene Haar nicht mehr möglich. Auch wird es kaum möglich sein, einen Bart zu entwickeln, der das Anfertigen eines biometrischen Passbildes unmöglich macht, Augen und Nase werden wohl immer erkennbar bleiben.
Aber das Vermummungsverbot kann hier nur schwer als Grund herangezogen werden, meinen Plan zu vereiteln, Thilo Sarrazin trägt auf seinem Personaldokument immerhin auch einen blödsinnigen Bart, Tom Selleck auch.
Für Ideen den blödsinnigen Bart betreffend bin ich offen, wer eine zündende solche hat bekommt mein Original-Passbild als Preis!

Ich danke im Voraus.
Und ich wünsche mir Nachahmer!
Bildet blödsinnig-bärtige Banden!
Zumindest im blödsinnigen Ausweispapier!