Der Spatz in der Hand…

Weil ich mich so sorgfältig der morbiden Zurschaustellung grässlich verstorbener Lebewesen widme könnte hier der Eindruck entstehen, dass ich ein gar scheußlicher Zeitgenosse bin. Doch ist dem keineswegs so.
Vielmehr bin ich einem Lämmlein gleich ein sanftmütiger Gesell. Unlängst habe ich auch wieder einem Vögelein das Leben gerettet, welches sich in den mit großen Panoramafenstern ausgestatteten Schankraum einer Konsumwirtschaft verirrt hatte und dort panisch ein ums andere Mal gegen die Scheiben donnerte. Ich trieb es in die Enge und fing es ein, sodann verbrachte ich es in meinen Händen auf eine in der Nähe befindliche Weide außerhalb der Reichweite der ortsansässigen Katzen, öffnete meine Pranke und nahm frohlockend wahr, wie der kleine Spatz ohne Glas im Wege beherzt davon flog.
Ein paar Jahre bereits ist es her, dass ich einem etwas größeren Vogel, es handelte sich um eine junge Nebelkrähe, das Leben rettete. Dieser Vogel war wohl gerade fast flügge und hatte sich etwas überschätzt. Entsprechend saß er leicht verwirrt auf der Straße herum und wartete dort unsicher umherblickend auf den sicheren Tod durch Zermanschtwerden. Ich stoppte mein Gefährt und näherte mich dem Vogel. Mein Tun blieb nicht unbeobachtet, die Altkrähen schimpften und zeterten, auch wurde ich von ihnen angeflogen. Leib und Leben aufs Spiel setzend packte ich den Jungvogel und trug ihn, während ich ihn als lebenden Schutzschild über meinen Kopf hob um mich der Schnabelhiebe der Altvögel zu erwehren, von der Straße und setzte ihn in der Nähe auf ein Gartenhausdach, dann entfloh ich der flatternden Gefahr.
Wie gesagt, Sanftmütigkeit ist es meist, was mein morbide Anblicke liebendes Wesen seltsamerweise ausmacht.
Mit der Fotografie eines überflüssigerweise überfahrenen Tieres gebe ich seinem Tode noch ein wenig Sinn, wenn es schon nicht gegessen wird. Und mitunter hat der garstige Tod auf der Straße wenigstens noch einen ästhetischen Wert.
Manchmal.

Am Boden zerstört

Seit dieser Begebenheit sind schon ein paar Jahre ins Land gegangen, doch fühl ich mich im Moment doch dazu bemüßigt, davon zu berichten:
Es war einmal ein Garten. Dieser befand sich in Berlin Zehlendorf, unweit der Rehwiese nahe dem Bahnhof Nikolassee. Dieser Garten war meiner und meiner Mitstreiter Obhut anvertraut, wir hübschten ihn an etlichen Stellen auf, räumten Wildwuchs ab, schnitten den Rasen, stutzten die Sträucher und taten im Allgemeinen das, was man als Gärtner in einem Garten so macht.
Grünabfälle, sofern nicht zu klobig, wurden auf einem eigens hierfür errichteten Komposthaufen der Wiederverwertung zugeführt. Dieser Komposthaufen befand sich inmitten eines kleinen Eibengebüschs, auf diese Weise den Blicken der Gartenbesitzer verborgen. Alljährlich zwei Mal wurde der Komposthaufen umgesetzt und gesiebt, im Frühjahr und im Herbst.
Als wir uns eines Tages im Frühjahr einmal wieder an dem Komposthaufen zu schaffen machten entsprang der Leibhaftige lärmend dem Eibengesträuch und griff mich frontal an, wild fuchtelnd mit schwarzem Leib und gelben Augen! Der Spuk war schnell wieder vorbei, nur um sodann kurz darauf von Neuem zu beginnen! Erschrocken floh ich vom Kompost fort auf die rettende Rasenfläche.
Als der erste Schreck sich gelegt hatte und mein Pulsschlag sich beruhigte wurde mir klar, was da für ein Derwisch mir an die Brust geschlagen hatte: Ein Amselmann hatte beherzt sein Nest verteidigt und mich erfolgreich in die Flucht geschlagen. Mit voller Wucht war er gegen meine Brust geflogen, wild mit den Flügeln schlagend und so eine größere Gestalt vorgaukelnd als er eigentlich besaß. Ich hatte Glück, dass sein Schnabel sich nicht in mein Brustbein gerammt hatte, so kräftig griff mich das irrsinnige Vieh an!
An dieser Stelle war die Verteidigung des Nistplatzes von Erfolg gekrönt, ich näherte mich dem Kompost in der nächsten Zeit zwar trotzdem, doch mit größter Vorsicht, um die Amselbrut nicht zu stören. Des Amselmannes Beherztheit war beeindruckend.
Manchmal jedoch ist diese Beherztheit eher kontraproduktiv, so zum Beispiel, wenn ein Amselmann in Rage ein Auto anzugreifen sucht. Diesem kleinen Amselmann hier ist entweder dies, oder aber ein Tiefflugmanöver ohne den rettenden Rechts-Links-Blick zum Verhängnis geworden.
Hoffentlich kann die dazugehörige Amselfrau ihre Nachkommen auch als Alleinerziehende durchbringen, auf dass auch in Zukunft mittelgroße schwarze Vögel für den einen oder anderen Adrenalinstoß zur Verfügung stehen.
Ruhe sanft, kleiner Amselmann.

Held

Mitunter betätige ich mich bei langweiligen Autobahnfahrten als Matschzoologe, das heißt ich versuche die zermalmten Überreste des Wildbestandes auf dem Asphalt, bzw. Beton in Gattung und eventuell gar Art einzuordnen. Jedenfalls das was übrig ist.
Unlängst ist mir dabei etwas außerordentlich bemerkenswertes gelungen, ich argwöhne sogar eine unglaublich rare Fähigkeit zu besitzen, welche dereinst dem von uns bewohnten Sonnensystem von großem Nutzen sein könnte! Ich vermochte dem Marder, ob Stein- oder Baummarder konnte ich infolge des zerfahrenen Allgemeinzustands nicht mit letzter Sicherheit erkennen, seinen Rufnamen zuzuordnen. Er lag hinter einer für ein so kleines Tier doch sehr beachtlichen Blutspur und begann damit, sich in den Straßenbelag einarbeiten zu lassen. Neben ihm, jedoch jenseits der Leitplanke, war ein kleines Holzkreuz errichtet worden, darauf zu lesen der Name Herbert. Entsprechend gehe ich davon aus, dass dies sein Name ist, bzw. war.
Fraglich jedoch ist, warum sich jemand die Mühe macht, dem armen Herbert ein Holzkreuz zu errichten, es aber nicht vermag, seinen Leichnam zu bergen.
Ist mir in meinen Schlussfolgerungen etwa ein Fehler unterlaufen? Ist Herbert eventuell gar nicht der Name des so brutal dahingeschiedenen Kleinraubtieres? War es Zufall, dass die beiden so vortrefflich zusammenpassenden Dinge (Kadaver und Kreuz) so dicht beieinander sich befanden?
Vermutlich.
Wahrscheinlich habe ich gar keine übernatürlichen Fähigkeiten, mithilfe derer ich die Namen verstorbener Tiere ergründen kann. Wäre aber eigentlich auch albern. Ich wüsste nicht, wie man aus dieser Superkraft einen abendfüllenden Blockbuster oder eine international erfolgreiche Graphic-Novel-Reihe machen sollte.
Nun denn, dann werde ich eben weiter suchen nach verborgenen Fähigkeiten, die mir innewohnen und welche das Böse in der Welt erzittern lassen.
Oder das Gute. Wenn ich ein Superschurke sein sollte. Aber auch für planetenbedrohende Schurkereien taugt das Erraten der Namen von toten Tieren nicht.
Hm.
Unter Umständen bin ich wohl doch vollkommen normal.
Auch gut.
Soll sich Clark Kent um den ganzen Mist kümmern.
Ich bin eh zu faul.
P.S.: Ich besitze im Übrigen auch nicht die Superkraft, bei vollem Tempo auf der Autobahn flugs Fotos eventueller malerischer Wildkadaver zu machen. Entsprechend handelt es sich auf dem Bild auch keineswegs um den vermeintlichen Herbert, sondern vielmehr um ein namenlos dahingerafftes Marderexemplar aus dem letzten Jahr irgendwo in MeckPomm. Aber passt so schön.

Silber-, äh.. Goldblick

„Bei mir im Gartenteiche
da schwamm ’ne Wasserleiche.
Der Arsch war bemoost,
Prost!“

So überlieferte mein alter Herr mir Weisheiten aus der guten alten Zeit. Oder so ähnlich. Urheber unbekannt, zumindest mir.

Unlängst trieb ich mich in der polnischen Provinz in einem stattlichen Funkloch herum. Dort gab es auch einen Gartenteich. Und auch in diesem befand sich ein ähnlicher Fund, allein das letzte E der Leiche fehlte und das erste E muss mit einem A vertauscht werden. Laichbedingt fand ich einige Bereiche des Teiches komplett gallertartig vor, allerorten hopsten verschiedenste Frösche umher. Der Frühling ist da!
Und ein Haufen paarungswütiger Kröten treibt sich derzeit in der Gegend herum. Also Obacht im Verkehr, vermeidet das zermalmen der warzigen Gesellen mittels Umsicht im Straßenverkehr. Und nicht zuletzt beim Nordic Walking, es sei denn es wird angegrillt und man wünscht den Verzehr frischen Krötenschaschliks (grausiges Pfund).

Dörrobst

Wir werden alle verdorren! Die Strafe für unser sündiges Treiben! Hilfe!

Also zumindest unser aller Augen werden verdorren!

Wohl dem, der unter Tage arbeitet oder das Glück hat, in einem feuchten und schimmligen Folterkeller gefangen gehalten zu werden!

Dies ist es, was ich heute der Presse, dem Internet und dem Radio entnehme. Ungefähr die Hälfte der Deutschen dürfte heute erblinden, weil sie keine Spezialbrille haben gegen die Sonnenfinsternis. So war es ja auch schon 1999. Da gab es schon einmal eine Sonnenfinsternis und -Bums!- kaum neun Jahre später gab es dann auch die Weltwirtschaftskrise. Gibt es da einen Zusammenhang? Vermutlich sind die Leistungsträger der Gesellschaft infolge der letzten Sonnenfinsternis durch schlimme Augenverletzungen derart beeinträchtigt gewesen, dass die Wirtschaftswelt nach neun Jahren all ihre Reserven aufgezehrt hatte und zusammenbrach.

Die jetzige Sonnenfinsternis ist entsprechend, obschon nur partiell, wesentlich schlimmer für die Wirtschaft, weil noch keine neuen Reserven aufgebaut worden sind. Und dann noch die faulen Südeuropäer und die Stinkefingergriechen….

Schlimm.

Hilfe.

Mein Gott! Es werden wohl nur bucklig zu Boden blickende Nutzgartenbesitzer die kommenden Jahre überstehen! Nun denn, schnell noch ein Testament geschrieben, in Blindenschrift versteht sich, und die Kinder in den Kohlenkeller gesperrt, damit das Erbe noch jemanden erreicht, der es auch angucken kann.

Wir sehen uns.

Oder?

Verklappungslehre

Vor ein paar Tagen sah ich mich unweit meines Heimes mit diesem Anblick konfrontiert. In einer Stadt, in der man an den verschiedensten Orten seinen Sperrmüll kostenfrei verklappen kann (BSR), oder sogar seinen Sperrmüll abholen lassen kann (BSR) wird alles, was der Haushalt nicht mehr braucht einfach auf der Straße entsorgt, meistens mit dem freundlichen Hinweis „zu verschenken“ dran. Da steht gerne im strömenden Regen an der von Hunden meistbepissten Ecke tagelang ein zerschlissenes Polstermöbelungetüm zum Mitnehmen bereit. Das will doch aber keiner haben! Hundeuringetränktes, schimmelndes Schaumstoffzeugs! Denkt doch mal mit!

In diesem Falle haben die Verursacher zumindest eingesehen, dass das Möbelstück nichts mehr taugt. Sie haben sich Schablonen angefertigt und Schmähungen der Obrigkeit draufgeschrieben. Als politische Botschaft sozusagen. Relativ witzig, jedoch dumm. Denn merke: Wer das Ordnungsamt nicht haben will, der vermeide seine Notwendigkeit! Es ist ganz einfach: Ordnungsstreifen gegen wilde Sperrmülldeponien werden nicht als Taskforce aus dem Boden gestampft wenn es keine wilden Sperrmülldeponien gibt. Und wilde Sperrmülldeponien sind nicht nötig weil: siehe oben. Das Ordnungsamt zu verdammen indem man ihm vollkommen überflüssigerweise eine Legitimation erteilt ist hirnrissig.

Noch schlimmer als diese Witzkekse hier finde ich aber Leute, die sogar offensichtlich motorisiert sind. Die packen ihren Sperrmüll dann ins Auto, fahren in das nächste Naturschutzgebiet und werfen den Kram dort in den Busch. Sieht man sehr häufig. Das ist dann schon strafbare Blödheit. Sich juristisch relevant zu verhalten mit einem höheren Aufwand als die sinnvolle legale Variante. Wo soll das alles enden?

Eine wichtige Frage ist hierbei noch zu klären: Die Leute sitzen gerne da, wo es nicht stinkt, wo man sich keine Scherben in den Arsch piekt und wo man sich allgemein nicht fühlt wie auf einer Müllkippe. Dennoch verlassen die Leute oftmals die besuchten Orte wie eine Müllkippe. Warum? Häufig ist es einfach gedankenlose Ignoranz gepaart mit entsetzlicher Faulheit und dem Wissen, es kommt schon irgendein Trottel, der hinter mir aufräumt, damit ich morgen wieder alles vollmüllen kann. Das kostet aber alles Geld! Jeder motzt über irgendetwas, was die öffentliche Hand gefälligst zu tun hat, aber nie ist Geld dafür da. Aber jeder, der sein vollgerotztes Taschentuch fallen lässt anstatt es zur nächsten Straßenecke zu tragen und dort in den bereitstehenden Abfallbehälter zu werfen, der vergeudet Geld!

„Die Lehrer werden alle so schlecht bezahlt, deswegen ist mein Kind so doof!“ oder „Die Jugendeinrichtungen werden weggespart, deswegen ist die Jugend so doof!“ oder „Es gibt zu wenig Bibliotheken, darum bin ich so doof!“, oder „Man hat zu wenig Platz zum Atmen in der Stadt, wir wollen mehr Grünflächen haben, sonst werden wir alle doof!“, so hört man es von allen Ecken brüllen.

Nimm Deinen Müll mit und die Stadt kann sich eine Runde Wegfegen die Woche sparen. Pack die Exkremente Deines Hundes in die Mülleimer und die Stadt kann sich die Hundekackesaugautos sparen. Bring Deinen Sperrmüll zum Recyclinghof und die Stadt kann sich weite Teile des Ordnungsamtes sparen. Die eingesparten Mittel könnten theoretisch in die Behebung der offensichtlichen Misstände fließen. Das Geld liegt nicht auf der Straße, es liegt in Deiner Hand.

Nun mag man gerne noch einwerfen, dass das gesparte Geld doch vielmehr für blödsinnige Infrastrukturprojekte, sinnlose Flughäfen und überflüssige Barockschlösser ausgegeben wird anstatt für sinnvolle Dinge. Das ist sicher richtig und die nächste wichtige Baustelle. Aber anfangen kann man doch immer zunächst bei sich selbst. Dann kann man auch viel besser mit dem Finger auf die verschwenderische Kaste im Rathaus und im Bundestag deuten. Der Verschwender taugt nicht als moralische Instanz gegen Verschwendung.

Und Müll in die Gegend werfen und Botschaften draufschreiben wie auf dem Bild zu sehen, das ist etwa so sinnvoll wie Wale harpunieren und „Fuck Sea-Shepherd!“ auf die Kadaver zu tätowieren, oder Pandas erwürgen und „Leck mich, WWF!“ ins Fell zu rasieren. Nur etwas weniger brachial.

Macht keinen Sinn.

Kann man auch lassen.

Ich habe trotzdem gelacht.