Brunst

Wer kennt das nicht: Gelangweilt latscht man an einem puscheligen Waldrebengerankel vorbei und zündet nebenher einen der filigranen Clematispuschel an. Üblicherweise macht es dann, wie in einer magischen Varietéshow, „FUFF!“ und das Puschelchen ist bis auf ein  paar wenige klitzekleine Ascheflusen verschwunden.

Genau das habe ich auch mal gemacht. Ist gottlob verjährt, daher kann ich meine Warnung hier nun öffentlich kundtun: Beachtet bitte die Fülle der Flusen, bevor ihr sie mit Eurem Feuerzeug in Flammen setzt! Mir geschah einst das Folgende: Nichtsahnend und auch nichts Schlimmes erwartend zündete ich auf dem Heimweg von der Schule ein paar fuffelige Flusen an, welche an einem verwahrlosten Maschendrahtzaun am Wegesrand wuchsen. Das Waldrebengerankel hatte sich bereits bis in die Kronen der hinter dem Zaun wachsenden Weißdornsträucher hinaufgearbeitet. Zudem schien es der Pflanze an nichts zu mangeln, offenbar hatte sie im Sommer üppigst geblüht und reichlich flusige Frucht hervorgebracht. Das hatte ich aber nicht weiter beachtet, auch nicht bedacht und vor allem nicht einkalkuliert in die möglichen Folgen meines Tuns. Denn der einzelne Flusenfuffel, den anzuzünden ich beabsichtigt hatte, brannte lichterloh auf und entzündete die nächsten beiden, welche wiederum die nächsten und so weiter und so fort. Eh ich mich’s versah stand der halbe Zaun in Flammen. Ich versuchte noch, die Flammen durch wildes Draufrumhauen zu ersticken, doch wurde es dadurch möglicherweise noch schlimmer, jedenfalls hatte ich im Versuch die Flammen zu ersticken keinerlei Erfolg. Das Feuer breitete sich rasant aus, das ganze Gestrüpp war insgesamt ziemlich trocken und uraltes trockenes Laub, seit Jahren im Gebüsch gefangen, gab dem Feuer zusätzliche Nahrung.

Ich entfloh dem Ort meiner unbeabsichtigten Missetat und verhielt mich anschließend auffällig unauffällig: Ich machte meine Französisch-Hausaufgaben. Tat ich sonst nie. Beim Blick von meinem Schreibtisch aus dem Fenster musste ich dann eine gigantische schwarze Rauchsäule ertragen, welche die Sonne zu verdunkeln sich anschickte. Zu allem Überfluss verleitete mich dann mein Vater auch noch zum Gaffen, fetter Feuerwehreisatz zwei Straßen weiter, das ist doch aufregend und so. Schlimm. Glaubwürdig konnte ich mich da nicht drumrumdrücken, entsprechend musste ich an den Ort meiner unbedachten Verfehlung zurückkehren und die emsige Betriebsamkeit bestaunen, die ein einziges Funzeln mit dem Feuerzeug ausgelöst hatte. In Flammen stand ein Brennstoffhandel, in erster Linie Kohlen, doch drohten die Flammen auf einen mit Öl und Benzin bestückten Schuppen überzugreifen. Die Feuerwehrleute wirkten angespannt. Ist dann aber nicht passiert mit dem Schuppen. Personenschäden sind auch keine entstanden. Puh.

Erwischt wurde ich nie, jedoch musste ich noch ein paar Jahre auf dem Weg von der Schule nach Hause immer an diesem Zaun vorbei. Im Maschendrahtgeflecht waren noch lange die geschmolzenen Überreste verschiedener Werbeschilder aus Plastik zu sehen. Die sind eventuell teilweise sogar immer noch da. Müsste ich mal überprüfen.

Also denket bitte daran: Waldrebengerankelpuscheln nur dann anzünden, wenn man sicher ist, dass nach einem kleinen „FUFF!“ auch alles wieder vorbei ist. Es kann sonst bös enden.

Streitfall

Vor Kurzem habe ich im Wald zwischen Rheinsberg und Flecken Zechlin das zweifelhafte Vergnügen gehabt, von einer Waldstraße mit Tourette und Lese-Rechtschreibschwäche unflätig beschimpft worden zu sein.

Ich muss an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Wort, welches hier niederzuschreiben ich vermeide, das aber auf dem obigen Bild falsch herum geschrieben steht, unbedingt mit F zu schreiben ist!

Sieht sonst hanebüchen aus.

Meine Meinung.

Nagerwohlstand

Heute habe ich, nach langer Zeit einmal wieder, den Spruch „Arm wie eine Kirchenmaus“ vernommen. Sogleich manifestierte sich in meinem Kopf die Frage, warum eigentlich Kirchenmäuse ärmer sein sollten als beispielsweise Bauernmäuse? Wäre nicht eher umgekehrt ein Schuh draus zu machen? Wo doch der Klerus stets reich war und das Bauernvolk zugunsten der Kirche und des Adels  meistens Armut litt?

Haben die Kirchenmäuse vom Kirchenzehnt nüscht abbekommen? Das halte ich für unwahrscheinlich.

Oder bedeutet „Ich bin arm wie eine Kirchenmaus.“ soviel wie „Leck mich, es geht Dich überhaupt nix an wie reich ich bin!“?

Ist demzufolge die Familie Schlecker möglicherweise arm wie eine Kirchenmaus? Oder die ganzen Briefkastenleute? Und solches Geschmeiß?

Vermutlich sollte man die, die behaupten, sie seien arm wie eine Kirchenmaus einmal umgehend einer intensiven Finanzprüfung unterziehen. Möglicherweise sollte Wolle Schäuble einfach einmal an alle Haushalte einen Fragebogen senden, in dem die Befragten ankreuzen können, ob sie unermesslich reich, stinkreich, wohlhabend, naja-geht so, eher arm, arm wie eine Kirchenmaus oder bitter arm sind.

Auf seine eigene Antwort wäre ich auch mal gespannt.

Total vernetzt

Mein Haustier trägt keinen Namen. Es ist kein Fisch, kein Hamster und auch kein Kätzchen, nicht mal ein Schwein.

Es ist von ganz allein in meinem Haushalt aufgetaucht und lebt still vor sich hin. Es ist haarig, jedoch nicht flauschig. Auch kann man ihm nicht direkt Niedlichkeit attestieren.

Ich füttere es nie. Doch höre ich darob niemals einen Klagelaut.

Es ist ein friedliches und nützliches Haustier.

Es lebt am Fenster in unserer Wäschekammer. Am Oberlicht. Seine Behausung hat es sich selbst gebastelt.

Es handelt sich um ein mittlerweile recht stattliches Exemplar einer Kreuzspinne. Sie residiert bei uns schon seit längerer Zeit und sie verhindert das nervige Herumgesumme lästiger Insekten, indem es diese in seinem formschönen Netz einfängt und sodann tötet und verspeist. Aufgrund dieser Eigenschaft wird die Spinne auch geduldet.

Zum Zeitpunkt ihres Einzuges hatten wir gerade ein kleines Problem in der der Wäschekammer nächstgelegenen Küche. Dort trieben Lebensmittelmotten ihr Unwesen und wir hofften bis zum Entdecken ihres Ursprungs die Population mithilfe unseres neuen Haustieres kontrollieren zu können. Nachdem wir die Motten in unserer Wohnung erfolgreich wieder ausgerottet hatten bangte ich kurzzeitig um die Spinne, war doch eine wichtige Nahrungsquelle derselben versiegt. Doch die Spinne blieb hiervon unbeeindruckt. Offenkundig kommen genügend andere Insekten von draußen herein, auch schweben gelegentlich mal ein paar Fruchtfliegen durch unsere heiligen Hallen und bieten sich als Nährstofflieferant an.

Zumeist saß unsere Spinne einfach nur da, inmitten ihres Netzes und tat nichts. Entsprechend wurde sie auch ohne die verflixten Motten weiterhin akzeptiert, jedoch nicht von allen geliebt. Mitunter glaubten wir sogar, sie sei bereits tot und hinge nur noch aus alter Gewohnheit oben im Netz. Seit ein paar Tagen jedoch ist ein gesteigertes Aktivitätsniveau zu beobachten, sie hampelt wild herum und tollt lustig durch ihre Behausung, sehr zum Missfallen meiner Frau. Sie hofft, die Spinne würde noch einmal jugendlich tun, um sodann plötzlich an altersbedingtem Multiorganversagen zu versterben. Auch erwog sie bereits einen hinterhältigen Giftmord. Dieser diabolische Plan wurde jedoch  glücklicherweise in Ermangelung giftiger Kleinstinsekten, welche wir der Spinne verfüttern könnten, wieder verworfen.

Ich verteidige unseren achtbeinigen und vieläugigen Freund immerzu. Sein Leben ist mir lieb und teuer, ich mag die filigranen Formen seines Gespinstes, bewundere die Anmut seiner Zeichnung und freue mich über seine für mich sehr nützliche Art der Ernährung. Auch ist er sehr pflegeleicht, kümmert sich um alles selbst und lärmt nicht herum. Lediglich die Tatsache, dass die Spinne nicht stubenrein ist nervt leicht, sie kackt immer auf die Fensterbank.

Aber das lässt sich leicht wegmachen, und stinken tut es auch nicht.

Alles in allem kann ich nur jedem raten, sich in einer abgelegenen Ecke der Wohnung eine Kreuzspinne zu halten. Ihr Nutzen überwiegt die von ihr ausgehende Gefahr bei weitem. Auch ist die Gefahr, dass die Spinne durch die Wohnung trabt, um garstige Gespinstnester in den Körperhöhlungen der schlafenden Bewohner anzulegen gegen Null tendierend, eine Kreuzspinne ist stinkefaul und ein eingefleischter Stubenhocker. Sie verlässt ihr Nest praktisch nie. Bei unserer Spinne zumindest habe ich ein solches Verhalten bislang noch nicht beobachten können, sie hockt, wie bereits erwähnt, zuverlässig im Netz und lässt sich das Essen kommen, zwischendurch werden kleinere Reparaturmaßnahmen an der eigenen Immobilie vorgenommen, und selbst hierfür ist ein Verlassen des Netzes nicht vonnöten, dieweil alle Baustoffe körpereigen hergestellt werden.

Sollte dereinst einmal meine Spinne doch einen terroristischen Anschlag auf mein Leben verüben wollen, ich bin und bleibe unbesorgt. Ich habe einmal in einem Dokumentationsfilm gesehen, dass von Spinnen gebissenen Menschen plötzlich die Sinne geschärft, ihnen Superkräfte zuteil und ihre körperliche Anmut gesteigert werden.

Ich muss kurz nachdenken, wie hieß der noch?

Ach ja, Spiderman.

 

Bamblbie

Die angeblich den Gesetzen der Physik trotzenden Hummeln schlurfen derzeit unvernünftigerweise in der Gegend herum und sind dabei gelegentlich etwas schwächlich infolge der langen Winterruhe und des doch sehr überschaubaren Nahrungsangebotes. Und die taumeligen Brummelgesellinnen sind nicht einfach irgendwelche Hummeln, nein, es handelt sich um deren oberste Kaste: Die Königinnen! Diese suchen neue Nistplätze um eine neue Dynastie für ein Jahr zu gründen.

Man hat nun mehrererlei Möglichkeiten des Umgangs mit den adligen Tieren:

  1. Man könnte sie einfach ignorieren.
  2. Man könnte sie in revolutionärem Eifer zerlatschen, wie dereinst die Franzosen es uns vormachten.
  3. Man könnte sie mitnehmen und in den botanischen Garten tragen, wo man sie in den Schlund einer fleischfressenden Pflanzen wirft.
  4. Man könnte sie mit nach Hause nehmen und ihr dort eine spitze Nadel durch den Leib rammen um sie in der Insektensammlung unter Glas zu präsentieren.
  5. Man könnte eine Haarspraydose und ein Feuerzeug aus der Tasche ziehen und sie mittels gezieltem Flammenstoß zu Asche zu verbrennen.
  6. Man könnte sie einsammeln und an irgendwelche Vögel verfüttern.

Doch sollte man irgendetwas hiervon tun? Mitnichten! Niemals! Unter gar keinen Umständen! All dies wäre ein Verbrechen gegen die Natur! Ganze Hummelstaaten wären vernichtet, es käme einem Hummelgenozid gleich!

Und sind wir einmal ehrlich, wir alle finden es gut, dass es Geschöpfe gibt, welche dem Diktat der ungeliebten Physik zu widerstehen imstande sind und entgegen aller Wahrscheinlichkeit ihren voluminösen Leib mittels winziger Hautflügel in die Lüfte erheben können.

Das Einzige, was man also tun sollte, wird man einer netten dicken und schwächlichen Hummelkönigin gewahr, ist, sie mit ein wenig aufgelöstem Zucker aufzupäppeln, damit sie innert kürzester Zeit mit neuer Energie auf ihrer Suche nach einem geeigneten Nistplatz denselben finde, wo sie eine illustre Schar von Junghummeln hervorbringen kann, welche uns dann im Sommer mit ihrem tiefen Gebrumm erfreuen, diverses Obst und Gemüse durch Bestäubung möglich machen und gelegentlich sicherlich auch als Futter dienen kann für den einen oder anderen netten Singvogel.

Nachtrag Carne-Wall

Das verwendete Gehackte für die Nachstellung der Schlacht aus dem letzten Beitrag ( https://thynnephph.wordpress.com/2016/02/06/carne-wall-2/ ) war immerhin Bio-Fleisch und wurde anschließend noch zubereitet und gegessen. Die Tieren waren vergleichsweise froh (obschon es vermutlich nicht diese grinsenden vier kleinen Schweinchen gewesen sind) und haben zumindest in den hier gehackten Teilen ihr Leben für vielerlei Zwecke gelassen (Broterwerb Bio-Bauer und Metzger, Kurzweil und Witzlieferant sowie Sättigung des Witzkekses nebst Sippschaft).

Entsprechend eine kleine Schweine-…ääh…Schweigeminute für die für den genannten Beitrag zu Schaden gekommenen Schweine.

 

Langsames Zählen von 1 bis 60

 

Danke.

Ergänzung

Alles Gute kommt von oben.
So geht ein geflügeltes Wort.
Doch trifft dies nicht zwangsläufig immer zu.
Diese Taube, oder was auch immer dies mal für ein Vogel war, beispielsweise wird das von oben stattfindende Eintreffen des sie schlussendlich meuchelnden Falken vermutlich eher unerfreulich gefunden haben.
Auch die Bewohner von Hiroshima werden dieses geflügelte Wort wohl kaum mit dem Flugkörper „Little Boy“ verbinden.
Die Wesenheiten in der Tiefsee können die von oben herabsinkenden Giftmüllfässer, welche gerne illegal ins Meer verklappt werden, ebenfalls nicht so gut mit den oben zitierten geflügelten Worten in Einklang bringen.
„Alles Gute kommt von oben“, dieser Satz sollte nicht allein stehen dürfen, sondern müsste stets durch den Terminus „Allerhand Mist übrigens auch“ ergänzt werden.
Wobei der Satz insgesamt ohnehin vollkommener Mumpitz ist, denn das Beste überhaupt kommt ganz klar von unten: Die Kartoffel.
„Alles Gute kommt von oben“ ist hiermit also als geflügeltes Wort gescheitert und widerlegt. Der Gegenbeweis befindet sich oft genug auf meinem Teller.
Geflügelte Worte sollten ihre Flügel auch mal selbst bemühen und oben bleiben. Und wenn sie dann mal runterfallen, dann sollten sie lieber vom sie zur Strecke gebracht habenden Falken zerpflückt werden, anstatt der Welt falsche Weisheit vorzugaukeln.

Manches Gute kommt eben auch von unten.

Verbrannte Erde

In aller Regelmäßigkeit ärgere ich mich über mich selbst, wie auch über einen Haufen weiterer Leute, welche unsere Kultur mit Füßen treten. Obwohl, eigentlich tun wir ja genau dies nicht, mit Füßen treten, denn weil wir die Benutzung unserer Füße auf ein Minimum beschränken wollen, nehmen wir das Sterben einer großen kulturellen Errungenschaft unseres Landes in Kauf: Das Bäckerhandwerk.
Ich habe heute, weil ich da sowieso gerade war, im Supermarkt ein paar vermeintlich frisch gebackene Brötchen gekauft. So musste ich nicht mehr den Umweg zu meiner Lieblingsbäckerei machen, die die mir verschiedene Brote hätte verkaufen können, Brote, die auch morgen oder sogar übermorgen noch nicht versteinert wären, sondern noch schmeckten. So habe ich lieber blödes aufgewärmtes Industriebackwerk erstanden.
Weil ich das gerade gemacht habe treibe ich meiner zuverlässigen, fleißigen und vor allem fähigen Bäckerin Sorgenfalten in ihr Gesicht, denn es fehlt ihr mein Umsatz. Blöd. Edeka braucht die paar Kröten nicht zum Überleben, die kleine Bäckerei aber vielleicht schon.
Wir haben das schon an anderer Stelle beobachten können: Wo sind beispielsweise die Fischläden hin? Kennt irgendwer noch einen Fischladen? Fisch gibt es nur noch direkt am Meer, manchmal noch an Orten mit hohem Touristenaufkommen mit direktem Wasserbezug, aber in Berlin gibt es kaum noch welche. Genau wie Käseläden. Kommt alles aus dem Supermarkt heutzutage. Auch Eisenwarenläden gibt es nicht mehr, möchte man Eisenwaren haben, so muss der ätzende Baumarkt her. Da sind auch die Zoohandlungen drin.
Derzeit sterben die Fachfleischer aus, Fleisch und Wurst kommt in Plastikmassen abgepackt aus dem Supermarkt. Und die Bäckereien sterben auch gerade. Klar, man kann Backwaren an jeder Ecke in den sogenannten Bäckereien kaufen, die ohne Backstube täglich fünfhundertmal frisch backen. Aber auch das ist doch nichts anderes mehr als das, was im Frischbackautomaten beim Aldi Süd passiert und was derzeit mit viel zu wenig Aufsehen gerichtlich verhandelt wird: Da werden uralte, haltbar gemachte Brot- und Brötchenrohlinge aus der Fabrik mal flink warmgemacht. Das ist wie Tütensuppenaufwärmen als Kochen zu bezeichnen. Komm, wir kochen uns mal was schönes, ein frischgekochtes Heiße-Hexe-Menu. Lecker und romantisch. Hilfe!
Dabei ist unsere Brotkultur eine ganz fantastische! Es gibt eine immense Brotvielfalt, jede Menge Brotformen, -farben und -zutaten, verschiedene Teigarten und weiß der Teufel was sonst noch! Aber nein, billig muss es sein und vor allen Dingen muss es ganz schnell gehen, ich gehe mal zum Kaufland, da kriege ich auch mein Brot und die Weihnachtsgeschenke kaufe ich da auch und einen neuen Fernseher nebst Draufstellmöbel gleich noch mit!
Alle schwärmen immer von Frankreich, der dortigen Küche und dem Baguette. Schmeckt ja auch ganz gut, aber nach einer Woche Baguette hat man einen wunden Gaumen und keinen Bock mehr auf das Weißbrotgelumpe, man wünscht sich ein Grau- bis Schwarzbrot, ein Vollkornbrot, ein Sauerteigbrot oder irgendetwas solches. Und wenn man dann aus dem Frankreichurlaub nach Hause kommt, dann hat gerade der letzte echte Bäcker seine Pforten für immer verrammelt und man kann nur noch einen vor einem Dreivierteljahr in Ostchina industriell hergestelltes und hier aufgewärmtes sogenanntes Brot erstehen, welches schon im Bäckereiregal vollkommen vertrocknet ist und dem jeglicher Charakter fehlt. Dann ist es passiert, dann ist das Bäckereihandwerk gestorben und etwas, um das die Welt uns beneidete ohne es jemals laut gesagt zu haben ist verschwunden, weil wir alle zu faul waren einmal kurz noch um die Ecke zum Bäcker zu gehen.
Stumpfen Blickes werden wir uns später manchmal noch dabei ertappen, wie wir mit dem Wunsch nach Brotgeschmack um die Ecke schlurfen, und mit laufendem Speichel erblicken wir dort, wo einst eine Traditionsbäckerei stand nur noch einen seelenlosen Handyladen erblicken. Durch unser kurzsichtiges Konsumverhalten hinterlassen wir nur verbrannte Erde!
Traurige Welt, die uns erwartet.

Schauder….

Noch mehr Huf

Gerade ist mir noch einmal aufgefallen, was mir schon in den letzten Sommern auffiel:
Hierzulande stehen kaum noch Nutztiere auf der Weide herum. Ich glaube mich erinnern zu können, dass in meiner Kindheit stets und ständig Weiden von Kühen beweidet worden sind. Das ist nicht mehr in diesem Maße der Fall. Weiden werden heute irgendwie eher maschinell beweidet und das Nutzvieh steht unter Dach herum.
Sicher, es gibt noch ein paar Bereiche, wo man Kühen begegnen kann, so beispielsweise auf der Alm, Schafe findet man auf dem Deich und so weiter. Aber dazwischen? Nüschte.
Schweine waren ja schon immer eher im Stall. Das war schon früher was Besonderes, wenn man eines Schweines Antlitz im Tageslicht erspähen durfte. Die Optik eines Schweines kannte man vielfach als Kind nur von Marzipanglücksschweinen, Sparschweinen und aus dem Kinderbuch über den Bauernhof. Etliche Kinder konnten echte Schweine gar nicht als solche erkennen, weil sie gar nicht die Farbe einer Barbie-Prinzessin haben, welche man ihnen fälschlicherweise zuschreibt.
Schweine haben aber immerhin ein Problem mit ihren pelzlosen Haut. Die verbrennt, wenn sie zu lange in der Sonne rumliegen. Und der Aufwand, den man betreiben müsste, wenn man jeden Morgen alle Schweine mit Sonnenmilch…nicht auszudenken. Aber verbrennen jetzt auch Kühe? Wohl kaum.
Der einzige Grund ist der, dass es irgendwie kostengünstiger ist, Kühe festgebunden im Stall zu halten und mit Soja aus Regenwaldanbau zu füttern anstatt sie auf die Wiese neben dem Hof zu stellen, wo sie sich alleine füttern und gleichzeitig ihre eigene Weide düngen. Hängt vermutlich damit zusammen, dass man die Melkmaschine so viel schneller an die Zitzen pfropfen kann.
Die Franzosen haben da irgendwie eine ganz andere Sichtweise auf ihre Milch und ihren Käse. Da soll nur was Gutes rein und deshalb muss die Milch auch wegen der Aromen von bestimmten Wiesen gespeist ins Euter kommen. Entsprechend leben auf Frankreichs Weiden jede Menge Kühe unter freiem Himmel. Sollten wir vielleicht auch mal wieder hin.
Futtersojaanbau ist nämlich etwas abgrundtief Böses.
Herrscher der Hölle, dein Name ist Futtersoja!

Technikgott

Unverständnis befällt mich angesichts der vollkommen unsinnigen Verhaltensweisen diverser Konzertbesucher:
Sie zahlen teilweise horrende Eintrittspreise, nur um anschließend nicht der musikalischen Darbietung zu lauschen oder das Live-Geschehen zu genießen, sondern sie ziehen es vor, sich alles als verwackelte Angelegenheit auf ihrem Mobilfunkdisplay anzusehen. Zu allem Überfluss halten sie auch noch ihre Telefone hoch, so dass jeder, der hinter ihnen steht, auch gezwungen ist, sich das schöne Konzert als mieserable Abbildung auf dem Telefon eines vollkommen unbegabten Kameramenschen anzuschauen. Mögen ihnen allen die Daumen abfaulen!
Meine erklärte Hochachtung gilt jedem, der „aus Versehen“ den entsprechenden Leuten beim Tanzen das Gerät aus der Hand schlägt und anschließend mit seinen metallbesohlten Schuhen „aus Versehen“ draufstampft. Aber das ist ja bedauerlicherweise verboten.
Gewöhne Dir dieses ignorante und egoistische Verhalten bitte schleunigst wieder ab, Welt! Ist doch auch zu blöd, das Ganze. Denn wer will sich denn schon gerne beschissene Filme mit überbelichteten, verwackelten Bühnen und räudigster Tonqualität ansehen?!
Richtig: Niemand!
Und vermutlich auch all die Trottel nicht, die die Scheiße drehen.
Aber auf Youtube hochladen und das mit Mist gewiss nicht eben arme Internet nachhaltig weiter vollmüllen, das geht gerade noch!
Arme Welt.
Hilfe…

Contrazession

Jetzt, kurz bevor die Spinner in Scharen das Land in Angst und Schrecken versetzen, ganze Landstriche kahlfressen und Gespinstnester allerorten verteilen, auf dass sich allergische und asthmatische Krankheiten wie Lauffeuer verbreiten und die Angst vor dem Wald in der Bevölkerung wieder ungeahnte Ausmaße annimmt, blühen die Eichen lieblich vor sich hin und sehen aus, als wenn kein Wässerchen ihr Leben zu trüben imstande wäre. Das ist schön.
Nicht so schön ist der Inhalt der Jako-O Wald-Abenteuer-Lern-Software für Kinder ab 7. Was ein Kind nämlich daraus lernt ist, dass man Wälder eigentlich niederbrennen sollte weil da so schlimme Organismen drin sind.
Kinder lieben kleine Lernfilmchen. Die gibt es auch auf dieser Lern-CD. Und in diesen Filmchen lernt man vom schrecklichen Fuchsbandwurm, welcher die Eingeweide zerfrisst, wenn man nicht alles aus dem Wald zu einem formlosen Brei zerkocht, dass man unweigerlich von Zecken befallen wird, welche einen mit den grässlichen Krankheiten Borelliose und FSME ausstatten werden, und dass die Tollwut einen tödlich dahinrafft, sobald man im Wald auch nur daran denkt, dass es dort Tiere gibt.
Zecken habe ich auch schon massenhaft auf Wiesen und Feldern gesehen. Schnell entdeckt und beherzt entfernt richten sie auch keinen Schaden an. Sie sind lästig und doof, aber das sind Mücken auch und man fährt trotzdem an den See.
Tollwut ist insgesamt sehr selten geworden, Tollwutgebiete im Wald werden oft mit Warnschildern markiert, ansonsten gibt es tollwütige Tiere im Wald nicht häufiger als in der Stadt. Zu zutrauliche Tiere sollte man nicht unbedingt küssen oder ablecken. Macht aber auch eigentlich keiner. Sollte einem ein Kind dennoch erzählen, es habe gerade einen Waschbären gestreichelt, so wasche man seine Hände. Sodann suche man einen Arzt auf, um auf Nummer sicher zu gehen. Es ist aber insgesamt ausgesprochen unwahrscheinlich, dass den lieben lärmenden Kleinen üb erhaupt jemals ein Wildtier im Wald begegnet.
Dem Fuchsbandwurm sollte man insgesamt mit deutlich mehr Gelassenheit begegnen, wie ich finde. Mein alter Herr hat mir auch schon einmal mit deutlicher Nachhaltigkeit den Genuss von Blau-, Brom-, Him- und Walderdbeeren vergällt indem er mich auf den fiesen Fuchsbandwurm aufmerksam machte. Im Radio hat mir dann später aber einmal Christoph Drösser erzählt, dass das alles Quatsch ist und man getrost den Wald ablecken kann wenn einem danach ist, ohne dass einem dabei etwas passiert. Natürlich nicht wörtlich und nicht mir persönlich, aber ich habe mir das zu Herzen genommen und esse wieder Blaubeeren und Walderdbeeren und mein Leben ist wieder viel reicher geworden.
Und wenn man einmal daran denkt, wo der Fuchs überall herumschneftert, in der Stadt, auf dem Feld, auf Schulhöfen und vor allem sicherlich auch auf jedem Erdbeeerfeld: Werden deswegen sämtliche Erdbeeren dieser Welt bis zur Unkenntlichkeit zerkocht vor dem Verzehr?! Mitnichten!
Den Wald zu betreten ist Gebot für Kinder! Man darf ihnen nicht Angst einjagen vor dem Wald! Sie sollen nicht an allen Pflanzen knabbern weil davon einige giftig sein können, aber rennen Kinder wild äsend durch den Wald?
Nein.
Sie sollen nicht einfach alle Pilze fressen, derer sie gewahr werden, aber tun Kinder das?
Nein.
Sie sollen nicht jedes Tier streicheln und auf den Arm nehmen, aber lassen Tiere das mit sich machen?
Nein.
Eine gewisse Vorsicht gegenüber kuscheligen Prozessionspinnergespinstnestern gegenüber ist sicherlich richtig und wichtig, aber dort, wo der Spinner sein Unwesen treibt stehen gemeinhin Warnhinweise die man mit seinen Kindern besprechen kann. Genau wie bei der Tollwut.
Entsprechend mein Appell an alle: Geht mit Euren Kindern in den Wald und schickt sie los, denselben selbst zu erkunden. Wenn sie anschließend Kratzer an Armen und Beinen haben, Äste, Moos,Laub und Spinnweben im zerzausten Haar hängen und mannigfaltigster Dreck sich unter den Nägeln und an der Kleidung finden, wo auch Kletten und allerlei sonstige Pflanzenteile hängen, dann ist das ein Grund sie zu loben und nicht sie zu tadeln.
Merkt Euch das!

Der Welten Lohn

Bevor irgendjemand auf die vollkommen absurde Idee kommt zu meckern:
Der Regen, der derzeit auf meine Stadt Berlin niedergeht (1:10 Uhr Ortszeit) ist der schönste Regen, den ich seit Jahren erlebt habe. Bei warmer Luft stetig und gleichmäßig abregnend. Eigentlich würde ich mich jetzt liebend gerne barfuß auf die Straßen begeben und jauchzend in den sich bildenden, warmen Pfützen umhertapsen, leider aber zwingt mich das Diktat des Broterwerbs zum Ruhen. Entsprechend kurz ist mein Appell:
Seihet dankbar dem Tropfen, der vom Himmel fallend Euer Antlitz nässt!
Erfreuet Euch an Rinnsalen, welche Euren Weg begleiten!
Lobet das Nass, welches die Pollen und den Staub aus Eurer Atemluft Euch nimmt!
Preiset den Umstand, dass Euer Leben nicht geprägt ist von Dürre und Unbill!
Teilet Euren Reichtum!!!!!

Die Landwirtschaft braucht dringend Regen (Hat mein Vater schon stets gesagt)!

Nicht meckern!
Maul halten!
Dankbar sein!
Wir haben Wasser!!!