Am Boden zerstört

Seit dieser Begebenheit sind schon ein paar Jahre ins Land gegangen, doch fühl ich mich im Moment doch dazu bemüßigt, davon zu berichten:
Es war einmal ein Garten. Dieser befand sich in Berlin Zehlendorf, unweit der Rehwiese nahe dem Bahnhof Nikolassee. Dieser Garten war meiner und meiner Mitstreiter Obhut anvertraut, wir hübschten ihn an etlichen Stellen auf, räumten Wildwuchs ab, schnitten den Rasen, stutzten die Sträucher und taten im Allgemeinen das, was man als Gärtner in einem Garten so macht.
Grünabfälle, sofern nicht zu klobig, wurden auf einem eigens hierfür errichteten Komposthaufen der Wiederverwertung zugeführt. Dieser Komposthaufen befand sich inmitten eines kleinen Eibengebüschs, auf diese Weise den Blicken der Gartenbesitzer verborgen. Alljährlich zwei Mal wurde der Komposthaufen umgesetzt und gesiebt, im Frühjahr und im Herbst.
Als wir uns eines Tages im Frühjahr einmal wieder an dem Komposthaufen zu schaffen machten entsprang der Leibhaftige lärmend dem Eibengesträuch und griff mich frontal an, wild fuchtelnd mit schwarzem Leib und gelben Augen! Der Spuk war schnell wieder vorbei, nur um sodann kurz darauf von Neuem zu beginnen! Erschrocken floh ich vom Kompost fort auf die rettende Rasenfläche.
Als der erste Schreck sich gelegt hatte und mein Pulsschlag sich beruhigte wurde mir klar, was da für ein Derwisch mir an die Brust geschlagen hatte: Ein Amselmann hatte beherzt sein Nest verteidigt und mich erfolgreich in die Flucht geschlagen. Mit voller Wucht war er gegen meine Brust geflogen, wild mit den Flügeln schlagend und so eine größere Gestalt vorgaukelnd als er eigentlich besaß. Ich hatte Glück, dass sein Schnabel sich nicht in mein Brustbein gerammt hatte, so kräftig griff mich das irrsinnige Vieh an!
An dieser Stelle war die Verteidigung des Nistplatzes von Erfolg gekrönt, ich näherte mich dem Kompost in der nächsten Zeit zwar trotzdem, doch mit größter Vorsicht, um die Amselbrut nicht zu stören. Des Amselmannes Beherztheit war beeindruckend.
Manchmal jedoch ist diese Beherztheit eher kontraproduktiv, so zum Beispiel, wenn ein Amselmann in Rage ein Auto anzugreifen sucht. Diesem kleinen Amselmann hier ist entweder dies, oder aber ein Tiefflugmanöver ohne den rettenden Rechts-Links-Blick zum Verhängnis geworden.
Hoffentlich kann die dazugehörige Amselfrau ihre Nachkommen auch als Alleinerziehende durchbringen, auf dass auch in Zukunft mittelgroße schwarze Vögel für den einen oder anderen Adrenalinstoß zur Verfügung stehen.
Ruhe sanft, kleiner Amselmann.

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