Feuertaufe

Alte Sitzmöbel. Sie finden sich in meinem Haushalt an unterschiedlichen Stellen. Ihre Funktion ist teilweise eingeschränkt, dennoch bleiben sie hier. Erst wenn nichts mehr geht werden sie entfernt.

Häufig hatte ich schon die handelsüblichen Schaukelstühle aus Sperrholz als Beute, die man gelegentlich auf dem Trottoir vorfindet, häufig mit der Klebenotiz „Zu verschenken“ behaftet. Meistens kann ich der Versuchung nicht widerstehen, schleppe das Möbelstück in meine Residenz mit der Absicht zu einem wunderlichen Märchenonkel zu mutieren, welcher im Schukelstuhl sitzend aus staubigen alten Schinken Uninteressantes rezitiert. Sobald ich aber dann meinen Leib nebst staubigem Schinken in den Schaukelstuhl gehievt habe bricht dieser zusammen und ich bin gefangen in seinen Trümmern. Begleitet vom Hohngelächter meiner Mischpoke befreie ich mich dann aus den Splittern und bringe gesenkten Hauptes die Reste der Möbel zum Sperrmüll, nicht ohne meine Blödheit und zudem vor Allem die Rücksichtslosigkeit der „edlen“ Spender wortreich zu verdammen, welche kaputte Schaukelstühle verschenken.

Doch auch hartnäckigere Möbel befinden sich in meinem Besitz. So habe ich einen ollen Hocker, welcher immer noch hier existiert, obschon ihm die Hälfte seiner Sitzfläche fehlt. Auch ist der kleine rote Kinderstuhl neben der Badewanne, bereits hoch betagt, nicht mehr ganz optimal in seinem optischen Eindruck; seine Sitzfläche ist infolge achtlos auf ihm abgelegter feuchter Handtücher gequollen und rissig geworden. Ich werde ihn aber dennoch behalten.

Todesurteile gegen Stühle habe ich gelegentlich aber ausgesprochen. Vollstreckt habe ich vor einigen Monaten eines gegen einen alten Korbstuhl, welcher auf meinem Balkon dahinvegetierte und dabei spröde und löchrig wurde. „Auf den Scheiterhaufen mit ihm!“, so dachte ich, und unter großem Bohei habe ich ihn im Kreise meiner Lieben und einer illustren Schar von Freunden und deren Familien in einer Feuerschale dem Feuer anheim gegeben. Er brannte lichterloh. Der Anblick war spektakulär. Seither wache ich mit Argusaugen über seinen Partner. Der jedoch ist noch immer über jeden Zweifel erhaben. Erlaube ich mir einfach mal ein Fehlurteil?

Ich denke ernsthaft darüber nach.

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