Zeit

Gerade einen kleinen Disput mit der Jugend geführt. Der Jugend von heute. Und die Jugend von heute, alter Schwede. Zu meiner Zeit….also nee. Diese Jugend von heute… da fehlen mir die Worte…..Schlimm.

Es ging gerade um Zeit. Bzw. das Fehlen derselben. Irgendwie kann ich den Ausspruch „habe ich keine Zeit für.“ von Leuten, die am Tag mindestens vier Stunden mit Minecraft, Facebook, Twitter, Youtube oder gar WordPress verbringen nicht so recht ernst nehmen. Das ist wie bei Rentnern, die ihre Zeitschriften abwechselnd nach Farben, Papierdichte und nach Erscheinungsdekade sortieren. Die haben Zeit ohne Ende, die können eigentlich alles machen, aber stellen sich stets selbst ein Bein. Oder zwei.

Was soll nur werden? Wo soll das alles enden? Armes Deutschland. Arme Welt. Arme Menschheit.

Ich weiß genau, meine Eltern klagten damals genauso: „Nein, dieser Junge, jeden Tag am Telefon. Können die jungen Leute heute denn nicht mehr miteinander sprechen und sich dabei in die Augen sehen? Warum immer alles am Telefon? Das tötet die Kommunikation! Schlimm!“

Ich sehe das gerade genauso. Offenbar können junge Menschen gar nicht mehr miteinander reden. In der U-Bahn ist zu beobachten, wie sich Jugendliche, die sich offenbar kennen und absichtlich miteinander getroffen haben, nebeneinander sitzend gegenseitig Mitteilungen schicken, dies vermutlich mit dem Hintergrund, dass allerentferntestenst bekannte Netzfreunde gefälligst jedwede Regung des beschränkten Geistes mitverfolgen können.

Doch bin ich ein  schlechterer Mensch als meine Erzeuger, nur weil ich während meiner Adoleszenz exzessiv mittels damals neuer Kommunikationswege in Kontakt mit meinen Mitmenschen trat? Nö. Finde ich nicht. Nicht selten telefonierte ich über zwölf Stunden mit meinen Freunden. Manchmal traf ich sie auch so, in echt. Meist waren wir dann am Ende des Tages besoffen. Beim Telefonieren war das nicht zwangsläufig so. Kam aber auch vor, wenngleich auch seltener wegen der elterlichen Kontrolle zu Hause.

Doch worauf will ich eigentlich hinaus? Wo führt mich meine Gedankenstraße hin? Keine Ahnung. Ich beobachte diese allgegenwärtige Technikhörigkeit mit allergrößtem Argwohn. Ja, ich wünsche mir den vielbeschworenen elektromagnetischen Impuls (EMI) sehnlichst herbei, um dann zu beobachten, wie all diese degenerierten Technikmenschen ohne ihre Technik aufgeschmissen sind und mühselig versuchen müssen, ihr verkümmertes Sprachzentrum zu reaktivieren. Ich bin sicher, dass mich dieser Anblick grinsen lassen wird. Gleichzeitig weiß ich allerdings auch um gleichartige Gedanken der Generation vor mir, welche mich und meinesgleichen betrafen. Doch habe ich deshalb Verständnis für die heutigen Zustände?

Du lieber Himmel: Nein. Echt nicht.

Vermutlich werde ich doch alt. Derzeit.

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