Weitsicht

Ich habe ein garstiges Leiden. Dauerschorf am Haupt. Und der ist kaum zu verstecken unter der Matte. Diese nämlich beliebte sich zurückzuziehen, vor ein paar Jahren schon, und wohnt jetzt anderswo am Leib (Ohren, Nase, Schulter, Zehen, Brust und da wo die Sonne nicht scheint).

Woher der Schorf kommt wollt Ihr wissen? Ist keine Flechte. Ist auch keine Räude oder Schleppe oder Krätze. Ist mangelnde Lernfähigkeit. Ich wohne nämlich mit meiner Sippschaft seit nunmehr fast sechs Jahren in der derzeitigen Residenz, und diese birgt so manche kleine Tücke, welche ich, mangelnder Weitsicht geschuldet, als Gefahrenquelle im Vorfeld nicht auszumachen vermochte. Und das ist umso schockierender, wenn man bedenkt, dass eine ähnlich Falle schon im Hause meiner Eltern seit anno dazumal auf mich lauert und mich das eine oder andere Mal bös erwischt hat.

Ich spreche hier von Zwergenbosheit, von fieser Recken- und Hünenfolter! Obzwar ich ja eigentlich kein Hüne im eigentlichen Sinne bin. Mit 1,85 m gilt man gemeinhin noch nicht als Riese. Dennoch bin auch ich schon einer der Leidtragenden dieser Hinterlist, welche sich gleich an vier Stellen meiner Wohnung manifestiert hat!

Die Rede ist von Türen, welche die übliche Mindesthöhe von 2 m drastisch unterschreiten! Und hinter diesen Türen ist jeweils extrem wenig Platz. Dadurch betritt man die winzigen Kämmerlein mit dem Gesicht voran und verlässt die entprechende Butze rückwärts. Dieweil auf meinem Hinterhaupte unbeaugt (←Obacht! Eigene Wortschöpfung) sehe ich den Türsturz nicht und kann nicht dem visuellen Reiz folgend reflexartig den Scheitel beugen, entsprechend stoße ich, weil nicht lernfähig, häufig mit dem Schädel an den Türrahmen und schrubbe mir an den Kanten Teile meiner ach so kostbaren Kopfhaut weg. Daher der Schorf.

Doch ach, oh weh, wie kann es sein, dass ich in der Lage nicht bin, meine Bewegungen der Umgebung adäquat anzupassen? Eine Antwort habe ich darauf nicht, allein Vermutungen sind es, die hier niedergeschrieben werden sollen:

Die Ursache wird sein, dass ich im Hause meiner Eltern im Keller immer an deren fiese Stelle gedonnert bin. Diese befand sich im Keller, genaugenommen im Durchgang vom Kellergang in den Fahrradkeller. Dort nämlich hatte der Chefstratege von den Gas-Wasser-Scheiße-Leuten einen metallenen Absperrhahn in die ohnehin niedrige Türöffnung gebaut. Mittig! Und immer, wenn ich diesen Keller betrat schlug ich mir eine tiefe Delle in mein ansonsten makelloses Haupt.

Nach zwanzig Jahren habe ich gelernt, mir den Kopf im elterlichen Keller nicht mehr anzuschlagen. Diesen Zeitpunkt nun nahmen meine Eltern zum Anlass, den Absperrhahn zu verlegen, damit die Unfallgefahr gebannt ist.

Besser spät als nie. Aber der Schaden scheint von nachhaltiger Natur zu sein. Immerhin schlage ich mir…. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Obwohl…? Wenn ich’s recht bedenke, so schauet doch am Beginn des Artikels mal nach, möglicherweise findet Ihr da begründet warum ich meinen Kopf…

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