Nähte

Ist man verärgert, so ruft man gelegentlich erbost die folgenden Worte aus:

„VERFLUCHT UND ZUGENÄHT!“

Doch weshalb neigt niemand dazu, wenn ihm etwas geglückt, erfreut zu schreien:

„GESEGNET UND AUFGETRENNT!“?

Erscheint insgesamt inkonsequent.

Teekessel

Am heutigen Tage begab es sich, dass ich mit einer Kollegin über Worte sprach, hauptsächlich schöne und leider selten benutzte Worte. Dabei kamen wir auf das sehr schöne Wort ‚fußläufig‘ zu sprechen. Hierzu erzählte sie mir noch, dass sie dieses Wort gelegentlich mit einem Bekannten wechselt, welcher es jedoch gerne nur in Teilen ausspricht und den Fuß weglässt. Darauf hingewiesen, dass der losgelöste Wortteil ‚läufig‘ üblicherweise etwas anderes bedeutet neigte er zu veschmitztem Grinsen, so wurde mir zugetragen.

Mir jedoch fiel auf, dass das Wort ‚fußläufig‘ als solches auch durchaus nicht nur eine per Pedes überwindbare Strecke bezeichnen kann, sondern auch die Lüsternheit von Fußfetischisten.

Berechtigung

Eine kleine Verständnisfrage zum Gendersternchen: Dürfen Arbeiter*Innen eigentlich auch Außendienstaufgaben versehen, oder dürfen das nur Arbeiter*Außen?

 

Ich bin da leicht verwirrt.

Wunder

Dank meiner Innovativitätskraft habe ich erwirken können, dass künftig hässliche Industrielaternenmasten überflüssig werden werden, denn ab jetzt leuchtet die Leuchte unabhängig vom Laternenmast. Beweis sieht man oben.

Gern geschehen.

Korb

Es begab sich aber zu der Zeit, da ich noch ein heranwachsender Halbstarker war, dass ich im Winter mit einem Pulk ähnlich alter Leute mich mit Hilfe des Wochenendtickets für 35 D-Mark auf die Insel Sylt aufmachte, um dortselbst in einer kleinen Wohnung mit niedriger Decke in Westerland ein paar Tage im tiefsten Winter zu verbringen.

Es war bitterlich kalt, beim ersten Besuch an der Nordsee im Dunkeln war diese vom gefrorenen Strand kaum zu unterscheiden. Das Wasser war halb gefroren, etwa so wie der Squishee, den Apu Nahasapeemapetilon in Springfield verkauft, nur nicht in bunt. Beinahe wäre ich hineingelatscht.

Der Strand selbst war hart wie Beton, ein starker Wind blies und die kleinen Strandläufervögel kauerten sich hinter kleine Sandvorsprünge um nicht sogleich zu gefiederten Eisklumpen gefrieren. Die, die das Glück hatten, einen solchen Platz ergattert zu haben, bewegten sich nicht von diesen Plätzen weg, man hätte sie einsammeln können. Die Restlichen lagen steifgefroren am Strand herum.

Wir froren erbärmlich. Dennoch wollten wir am Strand verbleiben. Nahe der Uferpromenade von Westerland standen einige Strandkörbe herum. Diese schoben wir uns zu einem Kreis zusammen um uns vor dem Wind zu schützen. Bedauerlicherweise waren zwei der vier benutzten Körbe einst zum Sammeln möglichst vieler Sonnenstrahlen so eingestellt worden, dass die Sitzkorbüberdachungen weit nach hinten standen. Als Windschutz taugt das natürlich nicht. Daher machten wir uns umgehend daran, die Körbe umzutransformieren. Beim Ersten Korb ging das auch relativ gut und problemlos, Arrettierung lösen, Korbdeckel nach vorne schieben, fertig.

Der nächste Korb war etwas widerspenstiger. Vermutlich war an ihm irgendwann vor Kurzem einmal Spritzwasser haften geblieben, weshalb die Beweglichkeit der Scharniere deutlich eingeschränkt war. Annähernd zum Erliegen gekommen, könnte man sogar sagen. Mit vereinten Kräften machten wir uns nun an dem Ding zu schaffen, ich ruckelte vorn, irgendjemand rüttelte an der Seite herum und ein Dritter machte sich hinten am Stradkorb zu schaffen. Der sich nicht einstellen wollende Erfolg unserer Bemühungen nun ließ den hinten wirkenden Mitstreiter zu rabiateren Mitteln greifen: Er nahm Anlauf und rammte seine Schulterblätter an das hintere Ende des Strandkorbes.

Möglicherweise aus Sorge vor drohender Beschädigung, fortschreitender Randale oder sonstigem Vandalistentum nahm dies der Strandkorb zum Anlass, seine Starre aufzugeben und sich der Existenz leichtgängiger Scharniere zu erinnern; mit einem Schlag war das Verdeck zugeklappt. Das war schön, denn wir hatten erreicht, was wir wollten.

Nicht so schön war aber die Tatsache, dass ich das Strandkorbverdeck mit Schmackes an die Schläfe gedonnert bekommen hatte. Mir war leicht schwindelig und ein klein wenig blümerant. Aus Sorge vor einem drohenden Kollaps verabschiedete ich mich von den nun im Windschatten sitzenden Kollegen, tupfte mir ein wenig Blut von der Kopfseite und torkelte heim.

Zu Hause in unserer Wohnung angekommen stellte ich fest, dass die kleine Wunde, die  infolge des heftigen Zusammenpralls mit dem Strandkorb am Ende meiner Augenbraue klaffte, zwar nur wenig, aber dafür stetig blutete und ein kleines Blutrinnsal sich bereits über einen beträchtlichen Teil meines Gesichtes ergossen hatte. Und sofort hatte ich eine lustige Idee!

Alle meine Mitreisenden waren noch am Strand, sie wollten auch bald in die Wohnung kommen und sehen, ob es mir denn gut ginge. Sie waren leicht besorgt, und das war gut. Ich durchstöberte die Wohnung nach Kerzen und Teelichten, beräumte den im Esszimmer stehenden Tisch. Nachdem ich den gesamten Raum mit Kerzenlicht illuminiert hatte drapierte ich mich auf dem Tisch mit der blutenden Gesichtsseite in Richtung Tür. Und dann ließ mein Blut ruhig weiter fließen. Auf dem Rücken liegend faltete ich meine Hände auf der Brust und wartete.

Und wartete.

Und wartete.

Irgendwann kamen die Anderen dann auch wieder, hatte wohl auch bewusstseinserweiterndes konsumiert und fanden sich plötzlich und unerwartet in einem Mausoleum wieder. Ihre Gesichter gefroren noch doller als ohnehin schon von dem frostigen Wetter draußen.

Es dauerte aber nicht lange, bis mein gackerndes Gelächter die Schreckensrufe meiner Reisegesellschaft zum Verstummen brachte, aber speziell mein Namensvetter, welcher mir das Strandkorbverdeck versehentlich an den Kopf knallte, erinnert sich immer noch an diesen Moment. Und ist immer  noch verstört, wie er mir einmal mitteilte, vor etwa einem Jahr.

Das tut mir ein klitzekleines bisschen Leid. Macht mich aber auch ein klitzekleines bisschen stolz, habe ich doch offenbar das angestrebte Bild bei meinem Streich ganz gut getroffen.

Konstruktion

Zum sich dem Ende neigenden Winter und der somit  zu erwartenden baldigen Sonnenbräune möchte ich an dieser Stelle einmal einen sehr arg konstruierten Wortwitz zum Thema vornehme Blässe platzieren:

Man stelle sich vor, dass jemand vor langer Zeit irgendwie in den Besitz einer moorbedingt geschwärzten Mumie gelangt sei. Diesen morbiden Besitz nun hat der Moorleichenbesitzer nach seinem Tode  an seine Nachkommenschaft vermacht. Man stelle sich zudem vor, dass der jetzt im Besitz der Sumpfmumie befindliche Ahn an einer starken Pigmentstörung, möglicherweise gar dem totalen Fehlen von Hautpigmenten leidet, welche ihm das Leben schwer macht, so wegen Sonnenangst und sowas. Dieser Ahn müsste doch dementsprechend sehr neidisch sein auf die  sehr intensive Hautfärbung des geerbten Toten. Der einzige sinnvolle Satz, den der blasse Ahn der Mumie entgegenschleudern könnte um seiner eigenen Trübsal Linderung zu verschaffen müsste dann wohl sein (Achtung: Jetzt kommt das heftigst konstruierte Wortspiel):

„Erbleiche, Erb-Leiche!“